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Stadtfreiheitstag 2010 - Verleihung städtischer Auszeichnungen

-Es gilt das gesprochene Wort-

Laudationes von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verleihung der der Albertus-Magnus-Medaille, der Matthäus-Runtinger-Medaille, der Stadtschlüssel, des Kulturpreises sowie des Prof.-Josef-Engert-Preises am Samstag, 20. November 2010, Altes Rathaus, Reichssaal

Albertus-Magnus-Medaille

Verleihung der Albertus-Magnus-Medaille an Herrn Prof. Dr. Wolfgang Wiegard

Die durch Stadtratsbeschluss vom 18. Mai1949 geschaffene Albertus-Magnus-Medaille kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich als Wissenschaftler, Künstler oder Förderer der kulturellen Bestrebungen der Stadt besondere Verdienste erworben haben.

In diesem Jahr ehrt die Stadt Regensburg eine Koryphäe auf dem Gebiet der Volkswirtschaft und Finanzwissenschaft, Herrn Prof. Dr. Wolfgang Wiegard.

Herr Prof. Dr. Wiegard studierte, promovierte und habilitierte im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg. Nach einem Lehrauftrag an der Bundeswehrhochschule in Hamburg und einem Forschungsaufenthalt an der University of Western Ontario wechselte er im Jahre 1982 an die Universität Regensburg. Gastprofessuren führten ihn nach Wien und Frankfurt. Nach fünf-jährigem Aufenthalt in Tübingen kehrte er 1989 an die Universität Regensburg zurück. Seit dieser Zeit ist er Professor am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre.

Trotz seiner vielfältigen Aufgaben in seinem wissenschaftlichen Wirkungsbereich an der Universität Regensburg ist er - mitunter seit vielen Jahren - Mitglied in zahlreichen Institutionen und Gremien, wobei die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit auf die Öffentliche Finanzwirtschaft und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland ausgerichtet sind.

So wurde er im Jahre 2003 aufgrund seiner herausragenden wissenschaftlichen Verdienste auf dem Feld der Finanzwirtschaft zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Mit diversen Aufsätzen und Vorträgen hat er seitdem das Ansehen und die Sichtbarkeit der Akademie in der Öffentlichkeit gefördert.

Er ist seit 1990 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen, der sich dank seiner verfassungsgemäß verbrieften Unabhängigkeit als „Wirtschaftswissenschaftliches Gewissen“ der Politik versteht. Mit seiner Tätigkeit in diesem Gremium deckt er die verschiedensten finanzwissenschaftlichen Themengebiete ab, ist jedoch nicht einseitig auf bestimmte Theorien oder Politikansätze fixiert.

Einem großen Teil der Bevölkerung dürfte Herr Professor Dr. Wiegard aufgrund seines Wirkens im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem sogenannten „Rat der Wirtschaftsweisen“, bekannt sein.

Im März 2001 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau zum Mitglied des Rates berufen. Von 2002 bis 2005 war er Vorsitzender des Gremiums. Seine Berufung wurde im Jahre 2006 wiederum bestätigt.

In der bisherigen Zeit hat er im Wesentlichen die Abschnitte zu den öffentlichen Finanzen bearbeitet und inhaltlich maßgeblich geprägt.

Insbesondere zu erwähnen sind seine Beiträge zu einer grundlegenden Steuerreform durch den Übergang zu einer Dualen Einkommensteuer sowie sein Vorschlag der wirksamen Begrenzung der Staatsverschuldung. Diese Themenbereiche hat der Sachverständigenrat unter seiner Federführung in gesonderten Expertisen behandelt und für die Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt.

Herr Prof. Dr. Wiegard nimmt unter den deutschen Wissenschaftlern eine herausragende Stellung ein und ist im In- und Ausland als anerkannter Wirtschaftswissenschaftler sehr geschätzt.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Wiegard,

auf dem Gebiet der Volks- und Finanzwissenschaft sind Sie ein Botschafter der Universität und der Stadt Regensburg – weit über die Region und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Zu der besonderen Auszeichnung darf ich Ihnen, sehr herzlich gratulieren.

Matthäus-Runtiner-Medaille

Verleihung der Matthäus-Runtinger-Medaille an Herrn Hussein Khalil

Die durch Stadtratsbeschluss vom 26. Juli1979 geschaffene Matthäus-Runtinger-Medaille kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Gesellschaft, im Arbeitsleben oder im vorpolitischen Raum große Verdienste um das Wohl oder das Ansehen der Stadt erworben haben. Die Auszeichnung wird in diesem Jahr dem Unternehmer Hussein Khalil verliehen. 

Sehr geehrter Herr Khalil,

nimmt man heutzutage in Deutschland oder in vielen Ländern rund um den Globus eine renommierte Tageszeitung in die Hand, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, mit führender Software aus Regensburg in Berührung gekommen zu sein.

Innerhalb von nur 12 Jahren entwickelten Sie die Regensburger OneVision Sofware AG zu einem führenden Unternehmen auf den internationalen Märkten. Im Jahre 1998 haben Sie OneVision übernommen, zusammen mit Ihrem Team damals der Firma neues Leben eingehaucht und im Laufe der Jahre zu dem gemacht, was sie heute ist.

In den 80er Jahren des letzen Jahrhunderts hieß die Firma TMS, entwickelte ein System zur Archivierung von Röntgenbildern und hielt sich mit überschaubarem Erfolg einige Zeit am Leben, bis sie schließlich doch in Schwierigkeiten geriet.

Die neu gegründete OneVision, die zunächst eine Garagenfirma blieb, nahmen Sie schließlich in Ihre Obhut. Mit Zeitgeist und einem immensen Ideenreichtum ausgestattet, stellten Sie den Vertrieb um und entwickelten mit einem hoch ausgebildeten Stab neue Spezialsoftware zur Optimierung von Produktionsprozessen in der Druck- und Medienindustrie. Dabei haben Sie nicht zuletzt von Ihrer vormaligen Stellung als Spitzenmanager bei Sony und Apple profitiert.

Ihrer Philosophie, nahe am Kunden zu sein, blieben Sie uneingeschränkt treu. Wörtlich haben Sie gesagt: „Die wichtigsten Impulse für Neuentwicklungen gewinnen wir, indem wir den Kunden genau zuhören und herausfinden, wo der Schuh drückt.“

Die Entwicklung der Firma gestaltete sich unter Ihrer Hand äußerst eindrucksvoll und schon bald konnten Sie Ihr Augenmerk auf die internationalen Märkte richten und durch eigene Vertriebsgesellschaften in den wichtigsten Märkten, den Exportanteil auf mehr als 70 Prozent ausbauen. Dabei schafften Sie es, die Zahl Ihrer Mitarbeiter kontinuierlich zu erhöhen. Zählte die Firma vor Ihrem Engagement gerade 30 Mitarbeiter, so sind in diesen Tagen bei OneVision 130 Personen beschäftigt.

Mittlerweile optimieren alle bedeutenden deutschen und viele internationale Zeitungen in etwa 60 Ländern ihre Druckdaten mit der Technologie made in Regensburg.

Sehr geehrter Herr Khalil,

Sie haben es mit unternehmerischem Gespür geschafft, eine kleine Garagenfirma zu einem Global Player zu entwickeln, den Namen Regensburgs somit auf der ganzen Welt bekannt zu machen.

Ich gratuliere Ihnen herzlich zu der verdienten Auszeichnung.

Stadtschlüssel

Verleihung der Stadtschlüssel an Herrn Stadtrat Dr. Klaus Schulz und an Herrn Peter Seywald posthum

Am 25. Mai 2005 hat der Stadtrat die Auszeichnung „Stadtschlüssel“ geschaffen, mit der Persönlichkeiten ausgezeichnet werden können, die sich Verdienste um das Wohl der örtlichen Gemeinschaft erworben haben. In seiner Sitzung am 29. Juli 2010 hat der Stadtrat beschlossen, Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Schulz, die Stadtschlüssel zu verleihen.

Außerdem wird in diesem Jahr Herr Peter Seywald posthum mit den Stadtschlüsseln geehrt.

Den Namen Dr. Klaus Schulz verbinden viele Regensburger mit dessen langjähriger Tätigkeit als ehrenamtliches Mitglied des Stadtrates der Stadt Regensburg. 24 Jahre lang gehörte er diesem Gremium an, mit Arbeitsschwerpunkten im kulturellen, im schulischen und im sozialen Bereich.

Seine Aufgaben als Stadtrat erfüllte er mit Verantwortungsbewusstsein, mit Leidenschaft und großem Einsatz. Er war Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion im Kulturausschuss und stellvertretender Vorsitzender im Kulturausschuss des Bayerischen Städtetages. Er hat mitgewirkt bei der Realisierung der Alten Mälzerei als Jugendkulturzentrum und der Sanierung des Theaters am Bismarckplatz.

Seit vielen Jahren leistet Klaus Schulz wertvolle Arbeit für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Mit Klaus Schulz verbinden wir den Begriff „kommunale Kulturpolitik“, aber auch verantwortungsvolles Handeln zum Wohle der Stadt und große Sachlichkeit bei der Lösung von Problemen.

Klaus Schulz war nie ein engstirniger Politiker, vielmehr war und ist er immer aufgeschlossen für andere Meinungen und bezieht andere Sichtweisen in seine Entscheidungsfindung mit ein.

Ein besonderes Augenmerk legt er auf das Gespräch und den Kontakt mit Kulturinitiativen. Auf seine Anregung hin wurde im Dezember 1997 die Regensburger Kulturstiftung der REWAG gegründet, deren Vorstandsvorsitzender er ist. Aus dem Stiftungsvermögen werden Projekte der bildenden und der darstellenden Kunst ebenso gefördert wie Vorhaben in den Bereichen Musik, Literatur und Theater.

Das ehrenamtliche Engagement von Klaus Schulz ist damit aber noch nicht zu Ende. 12 Jahre lang war er Vorsitzender des VdK Kreisverband Regensburg. Es gelang ihm während dieser Zeit, den Bekanntheitsgrad des VdK zu steigern, die Mitgliederzahl zu erhöhen und die guten Kontakte des Verbands zur Bundeswehr weiter auszubauen.

Während seiner Amtszeit als Vorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes, Ortsverband Regensburg, wurde die Jugendherberge in der Wöhrdstraße generalsaniert und deutschlandweit als erster Kulturstudienplatz ausgewählt.

Dr. Klaus Schulz hat sich auf kommunaler, sozialer und kultureller Ebene Verdienste um das Wohl der Allgemeinheit erworben und wurde dafür mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze geehrt.

Sehr geehrter Herr Dr. Schulz, ich freue mich sehr, Ihnen heute die „Stadtschlüssel“ überreichen zu dürfen und gratuliere Ihnen zu dieser Auszeichnung sehr herzlich.

 

Verleihung der Stadtschlüssel posthum an Herrn Peter Seywald

Herr Peter Seywald, der im Juni dieses Jahres verstorben ist, war im Jahre 1989 eines der Gründungsmitglieder des Verkehrsclubs Deutschland - Kreisverband Regensburg. Lange Jahre leitete er als Kreisvorsitzender die Geschicke des Vereins. Herr Seywald hat während seiner Tätigkeit als Vorsitzender des VCD maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Verkehrsbild der Stadt Regensburg heute anders darstellt als noch vor 20 Jahren.

Unermüdlich entwickelte er Vorschläge zur Verkehrspolitik, sachlich fundiert, kritisch, aber nie polemisierend. Seine besonnene und verantwortungsbewusste Art und die bemerkenswert sachliche Weise, mit der er seine Standpunkte vertreten hat, waren sehr geschätzt. Zahlreiche Verkehrsmaßnahmen der letzten Jahre tragen daher auch seine Handschrift.

Insbesondere möchte ich hier sein Engagement im Welterbedialog erwähnen. Noch im Februar dieses Jahres - sich der Schwere seiner Krankheit bewusst  - wirkte er voller Eifer in der Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Lebensqualität für die Bewohner der Altstadt und zur Optimierung des Radverkehrs in Regensburg mit.

Mit großem Engagement widmete er sich seinem wichtigsten Projekt, der Verkehrsberuhigung des Domplatzes. Dabei war sein Blickwinkel jedoch nicht nur auf die Altstadt und somit die Welterbekernzone beschränkt, vielmehr verstand er sein Wirken als Beitrag zu einem funktionierenden Gesamtkonzept.

Seine hohe Sachkompetenz machte den diplomierten Ingenieur für Raum- und Umweltplanung zu einem geschätzten Gesprächspartner auf dem Gebiet der Verkehrsplanung.

Peter Seywald deckte in seiner verantwortungsbewussten Art eine große Bandbreite von Themenbereichen ab - vom Engagement im Kleinen, wenn es „nur“ um das Absenken einer Bordsteinkante ging, bis hin zu komplexen wissenschaftlichen Aufgabenstellungen. Noch für das Sommersemester 2010 hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bauleitplanung und Stadtplanung Regensburg angenommen und mit hohem Engagement begonnen.

Bis zuletzt war sein Blick nach vorne gerichtet - nie nach hinten. Die Stadt Regensburg hat einen wichtigen und engagierten Bürger verloren. Wir werden Herrn Peter Seywald in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Sehr geehrte Frau Seywald,

iIch darf Sie nun herzlich bitten, die Auszeichnung entgegenzunehmen.

Kulturpreis

Verleihung des Kulturpreises an Richard Wiedamann

Sehr geehrter Herr Wiedamann,
ich freue mich sehr, Ihnen heute den Kulturpreis der Stadt Regensburg 2010 überreichen zu dürfen.

Die Leidenschaft zur Musik und insbesondere zum Jazz zeichnet sie aus. Sie sind mittlerweile nicht mehr aus der Regensburger Musiklandschaft wegzudenken.

Jazz hat in Regensburg eine lange Tradition, die bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgeht. Und seit mehr als 50 Jahren begleiten Sie nun diese Entwicklung und haben sie maßgeblich beeinflusst. Heute scheint die Verbindung von Regensburg und Jazz ohne Sie undenkbar.

Bereits ein kurzer Blick auf Richard Wiedamanns Lebenslauf lässt die tiefe Liebe zum Jazz erkennen. Von 1960 an war Herr Wiedamann vier Jahre lang Jazzreferent der Musikalischen Jugend Deutschlands auf Bundesebene und erhielt bereits 1974 den Regensburger Kulturförderpreis für seine Verdienste „um eine Förderung der zeitgenössischen Musik, insbesondere des Jazz“. Im Anschluss restrukturierte er die private Regensburger Musikschule und übernahm deren Leitung bis er 1980 zum Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule ernannt wurde.

1982 konzipierte Richard Wiedamann als Maßnahme zur Belebung der Altstadt und zur Förderung des Jazz-Nachwuchses, das 1. Bayrische Jazzfestival für Regensburg. Der Erfolg des Jazzweekends überstieg die kühnsten Erwartungen der Anfangszeit. Wer heute am Jazzweekend durch die Stadt geht, erlebt eine deutlich belebte Altstadt. Herr Wiedamann hat ein Musik Event ins Leben gerufen, dass nicht nur fester Teil des jährlichen Veranstaltungskalenders wurde. Das Jazzweekend ist ein Veranstaltungshöhepunkt mit nationaler und internationaler Strahlkraft über die Grenzen unserer Stadt hinaus. Zum mittlerweile 29. Mal fand das Jazzweekend in diesem Jahr statt und es war wieder ein voller Erfolg. Die Regensburger Altstadt präsentierte sich erneut als große Konzertbühne, auf der viele nationale und internationale Musiker ihr Talent unter Beweiß stellten.

Die künstlerische Leitung des vom Kulturreferat veranstalteten Bayerischen Jazzweekends hat das Bayerische Jazzinstitut inne, welches 1992 ebenfalls von Richard Wiedamann ins Leben gerufen wurde. Dieses Institut setzt sich nicht nur für musikalische Bildung ein, sondern legt auch großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung der Musiker. Richard Wiedamann gründete außerdem das Landes-Jugendjazzorchesters und die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Jazz in Bayern e.V.

Man kann somit ohne Übertreibung sagen, dass Herr Wiedamann maßgeblich zur Förderung des Jazz in seiner Heimat beigetragen hat.

Für seine leidenschaftliche Arbeit über die Jahrzehnte hinweg wurde er auch mehrfach ausgezeichnet: 1994 mit der Carl-Orff-Medaille „für besondere Verdienste um die bayerischen Sing- und Musikschulen“; 1996 mit der PRO MERITIS Medaille als Dank des Freistaats für die Bereicherung des kulturellen Lebens; 1998 mit dem Bundesverdienstkreuzes am Bande und schließlich im Jahr 2000 mit dem Kulturpreis des Bezirks der Oberpfalz.

Wie kaum ein anderer haben Sie, Herr Wiedamann, Ihr Leben dem Jazz gewidmet und damit gleichzeitig zur kulturellen Entwicklung der Stadt Regensburg beigetragen.

Sehr geehrter Herr Wiedamann, ich freue mich sehr, Ihnen heute den Kulturpreis 2010 verleihen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen aus ganzen Herzen zu dieser Auszeichnung.

Josef-Engert-Preises

Verleihung des Josef-Engert-Preises an Dr. Florian Pfeifle

Sehr geehrter Herr Dr. Florian Pfeifle,

Sie wurden für Ihre Dissertation „UNESCO-Weltkulturerbe – Vom globalen Völkerrecht zur lokalen Infrastrukturplanung“ vom Rektor der Universität Regensburg für den diesjährigen Professor-Josef-Engert-Preis vorgeschlagen. Es ist mir eine große Freude, Ihnen diesen Preis heute verleihen zu dürfen.

Herr Dr. Florian Pfeifle hat zweifellos eine beeindruckende Universitätskarriere vorzuweisen. Diese gipfelte in seiner herausragenden Dissertation, welche ihn zu Recht als verdienten Preisträger auszeichnet. Nicht nur seine schriftliche Dissertation, auch sein Rigorosum wurde mit einem hervorragenden „summa cum laude“ bewertet. Hierzu ist anzumerken, dass „summa cum laude“ an der Juristischen Fakultät nur selten und nur für besonders reife wissenschaftliche Leistungen vergeben wird.

Aber auch vor seiner Dissertation hat Herr Dr. Pfeifle seine juristische Begabung unter Beweis gestellt. Schon während seiner Studienzeit an der Uni Tübingen glänzte er mit herausragenden Leistungen. Er gehörte zu einem kleinen Kreis von weniger als 5 Prozent Absolventen, die in Baden-Württemberg die beiden Prädikatsstaatsexamina jeweils mit der Note „Vollbefriedigend“ ablegten. Dadurch wurden seine juristischen Fähigkeiten eindrucksvoll bestätigt.

Die Dissertation, für die Herrn Dr. Pfeifle heute der Professor-Josef-Engert-Preis verliehen wird, besticht nicht nur durch ihre überragende wissenschaftliche Qualität, sondern auch durch ihre - für uns als UNESCO-Welterbestadt ausgesprochen spannende - Themenwahl. Seine Arbeit trägt den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe – Vom globalen Völkerrecht zur lokalen Infrastrukturplanung“. Inspiriert wurde Herr Dr. Pfeifle, wie er im Vorwort schreibt, vom baukulturellen Wert Regensburgs.

Unsere schöne Stadt motivierte ihn also zu einer intensiven rechtswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Konflikten, die entstehen können, wenn die Bewahrung des Welterbes und der Wunsch nach infrastrukturellen Weiterentwicklung aufeinandertreffen. Ein Beispiel für einen solchen Konflikt ist der Streit um die „Waldschlößchenbrücke“ im Dresdner Elbtal. Die Dissertation behandelt zentrale Fragen, die bis zur praktischen Umsetzung auf kommunaler Ebene reichen. Somit liegt eine fundierte und aktuelle Gesamtdarstellung des Welterberechts vor, die an sehr vielen Stellen eine unmittelbare Relevanz für Regensburg als Welterbestätte hat. Dies prädestiniert die Dissertation für die heutige Auszeichnung. Schließlich werden mit dem Professor-Josef-Engert-Preis herausragende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die einen Bezug zu Regensburg oder der Region haben.

Regensburg hat sich frühzeitig und intensiv der Verwirklichung der Verpflichtungen aus der Welterbekonvention angenommen. Die Stadt kann stolz auf den diesjährigen Professor-Josef-Engert-Preisträger sein. Denn durch Herrn Dr. Pfeifle ist hier nun auch der Ort, an dem ein bislang in dieser Form fehlender rechtswissenschaftlicher Beitrag entstanden ist.

Es ist mir daher eine Ehre, Ihnen, Herr Dr. Pfeifle, heute den Professor-Josef-Engert-Preis 2010 zuerkennen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen im Namen der Stadt von ganzem Herzen zu dieser Auszeichnung und wünsche Ihnen ein weiterhin so erfolgreiches juristisches Leben.