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Eröffnung des Rosariums der St. Pauls Kirche in Odessa

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Eröffnung des Rosariums der St. Pauls Kirche in Odessa am 3. September 2010


Anrede

Ich freue mich sehr, dass ich heute bei der Eröffnungszeremonie des Rosariums der St. Pauls Kathedrale dabei sein kann und endlich auch die wieder aufgebaut Kirche in ihrer ganzen Pracht bewundern darf und endlich auch das Geläut der neuen Glocken zu hören.

Ich hatte mich im April so sehr auf die Reise zu Ihnen gefreut und hätte so gerne an der Einweihung der Kathedrale teilgenommen. Sie wissen, wie sehr ich es bedauert habe, dass der Zusammenbruch des Flugverkehrs nach dem Vulkanausbruch auf Island meine Reise vereitelt hat.

Nun darf ich - verspätet zwar - doch noch die Kirche besichtigen und die neue Christusglocke, ein besonderes Zeichen unserer freundschaftlichen Verbundenheit.

Ich stehe voller Ehrfurcht vor dieser Kathedrale: Was für ein beeindruckendes Gotteshaus!

Wenn ich mir die Geschichte dieser Kirche vor Augen halte, bin ich zutiefst berührt: Sie wurde 1897 erbaut. Es ist also keine sehr alte Kirche und doch eine Kirche, die schlimme Zeiten in der Geschichte Ihres Landes erlebt hat. Nach der Übernahme Odessas durch die Bolschewiken wurde 1922 das Altarsilber der Kirche beschlagnahmt. In den folgenden Jahren kam das kirchliche Leben durch die antireligiöse Politik Stalins fast ganz zum Erliegen.

Im Mai 1976 brannte das Gotteshaus vollständig aus und erst in den letzten Jahren ist die Kirche wieder erstanden.

Die St. Pauls Kirche steht für die lange Geschichte deutschen Wirkens und lutherischen Glaubens in der Schwarzmeerregion.

Sie ist ein Symbol für den Mut christlicher Siedler.

Sie steht aber auch für Zerstörung und Verfolgung unter dem Kommunismus.

Der Wiederaufbau hat jedoch gezeigt, dass mit einem starken Willen, einem bedingungslosen Gottvertrauen und vielen helfenden Händen alles möglich ist.

Heute ist St. Pauls eine prächtige Kathedrale, ein Zentrum christlichen Lebens und ein Mittelpunkt deutscher Kultur in Odessa. Heute rufen ihre Glocken wieder zum Gottesdienst, künden vom Beginn des Lebens, begleiten die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg und laden Menschen zu unvergesslichen Festen ein.

Ich bin stolz darauf, dass die Stadt Regensburg als Partnerstadt Odessas zu diesem Geläut einen wichtigen, um nicht zu sagen einen ge-wichtigen Beitrag leisten durfte. Denn ganze tausend Kilogramm bringt die größte Glocke, die Christusglocke, auf die Waage, die in Passau, das nur etwa eine Autostunde von Regensburg entfernt liegt, in der Glockengießerei Perner gegossen wurde.

Aber auch blühende Botschafter aus Regensburg wurden nach Odessa geschickt: Hans Heinersdorfer, Leiter der Odessa-Hilfe in Regensburg, hatte bei seinem 31. Hilfstransport in die Ukraine neben zahlreichen Hilfsgütern 171 Stöcke der weißblühenden Strauchrose „Regensburg“ mit im Gepäck.

Sie, verehrter Kollege Gurwitz, hatten bei mir angefragt, ob anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft eine Rosenspende möglich wäre. Wir haben die Anregung gerne aufgenommen und konnten das Regensburger Gartencenter Bellandris Haubensak dafür gewinnen, die Rosenstöcke bereit zu stellen.

So haben wir gemeinsam die Rosen auf die lange Reise nach Odessa geschickt – ein Liebesgruß an unsere Partner und Freunde hier. Die Pflänzchen sind gut hier angekommen, haben sich unter Ihrer liebevollen Pflege gut entwickelt sind inzwischen verwurzelt mit ihrer neuen Heimat. Im Park des Rathauses und hier im Garten der St.-Pauls-Kirche blüht die Rose „Regensburg“ als Symbol tiefer Verbundenheit zwischen unseren Städten. Mögen diese Rosen ein Zeichen sein für eine blühende Zukunft unserer beiden Städte und das Gedeihen unserer Partnerschaft.

Ich wünsche Ihnen allen - und besonders der St. Pauls Kirchengemeinde - von Herzen alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen.