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Eröffnung Christkindlmarkt

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Eröffnung des Regensburger Christkindlmarktes, am Freitag, 26. November 2010, um 18 Uhr auf dem Neupfarrplatz


Anrede

Der Christkindlmarkt hat seine Pforten geöffnet. Jetzt ist Weihnachtszeit!

Ich heiße Sie alle, und natürlich vor allem die Kinder, die heute hierher auf den Neupfarrplatz gekommen sind, sehr herzlich willkommen. Und mit einem „Hallo Ostbayern“ geht mein besonderer Gruß an die Hörerinnen und Hörer von Radio Charivari, die auch in diesem Jahr wieder live mit dabei sein können.

Sind Sie alle schon voller Vorfreude auf Weihnachten? Sind Sie vielleicht sogar schon fertig mit allen Vorbereitungen? Geschenke eingekauft und verpackt? Plätzchen gebacken? Christbaum besorgt?

Als ich mir heuer Gedanken über meine diesjährige Christkindlmarktrede gemacht habe, ist mir ein Gespräch eingefallen, das ich Mitte Oktober mit einer älteren Dame geführt habe. Sie hat sich darüber beklagt, dass es heutzutage in vielen Geschäften schon im September Christbaumschmuck und Lebkuchen zu kaufen gibt und dass kurz nach Dreikönig bereits die Ostereier in die Regale Einzug halten.

„In meiner Jugend hatte alles seine rechte Zeit“, meinte sie. „Im September kann sich doch noch kein Mensch auf Weihnachten freuen!“

Ja, wann ist denn eigentlich die rechte Zeit für die Weihnachtsvorfreude?

„Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt“, hat der evangelische Theologe, Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus, Dietrich Bonhoeffer, einmal gesagt.

Die rechte Zeit – das ist ein Thema, das uns das ganze Jahr über immer wieder beschäftigt. Wann sollen wir unseren Urlaub planen? Wann die Äpfel ernten, wann einem Menschen unsere Liebe eingestehen?

„Heuer fange ich aber viel früher mit meinen Weihnachtsvorbereitungen an, damit alles weniger stressig wird“ – diesen Satz habe ich erst vor Kurzem gehört.

Natürlich ist es löblich, nicht alles immer bis zur letzten Minute aufzuschieben. Aber ganz spontan habe ich mich dann doch gefragt, ob sich nicht jemand um etwas ganz Wichtiges bringt, der sich im August überlegt, was er seiner Familie zu Weihnachten schenken soll, im September die Geschenke besorgt und im Oktober bereits die fertigen Weihnachtspäckchen im Schrank liegen hat. Er bringt sich nämlich um einen ganz wichtigen Teil der Adventsstimmung - um die Vorfreude! Denn Weihnachtssterne und Christbaumkugeln verlieren viel von ihrem festlichen Glanz, wenn sie bei sommerlichen Temperaturen eingekauft und verpackt werden!

In diesem Zusammenhang ist mir eine Episode aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry eingefallen, die ich hier gerne zitieren möchte:

„’Guten Tag’, sagte der kleine Prinz.
‚Guten Tag’, sagte der Händler.
Er handelte mit absolut wirksamen, durststillenden Pillen. ‚Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken.’
‚Warum verkaufst du das?’, sagte der kleine Prinz.
‚Das ist eine große Zeitersparnis. Man spart 53 Minuten in der Woche.’
‚Und was macht man mit diesen 53 Minuten?’
‚Man macht damit, was man will.’ -
‚Wenn ich 53 Minuten übrig hätte’, sagte der kleine Prinz, ‚würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen…’“

Geht es uns mit der Weihnachtszeit nicht oft genauso? Alle streben einem Ziel, dem Heiligen Abend entgegen. Er soll so perfekt wie möglich sein, deshalb werden die Vorbereitungen mit großem Aufwand und mit viel Hektik betrieben. Und weil bei all dem Stress natürlich keine richtige Vorweihnachtsstimmung aufkommen kann, weil am Heiligen Abend die ganze Familie erschöpft und genervt ist, beginnen wir im nächsten Jahr damit, noch früher mit den Vorbereitungen anzufangen. Weil wir jetzt aber mehr Zeit haben, stecken wir uns noch ehrgeizigere Ziele.

Ist es nicht vielleicht wichtiger, den Weg zum Weihnachtsfest kürzer zu gestalten und bewusster zurückzulegen? Die Adventszeit wirklich zu genießen und dafür in Kauf zu nehmen, dass am Heiligen Abend möglicherweise nicht alles ganz perfekt ist?

Der Regensburger Christkindlmarkt findet zur rechten Zeit statt, zu einer Zeit, die gefüllt sein soll mit Bratäpfel- und Glühweinduft, mit Weihnachtsliedern und mit gespannter Erwartung. Einer Zeit, die wir alle ein bisschen mehr genießen und in der wir uns ein bisschen weniger unter Druck setzen sollten.

Nehmen wir uns doch diese Zeit für einen Spaziergang in der winterlichen Natur, für einen ganz bewussten Bummel über den Christkindlmarkt, für das liebevolle Stöbern nach kleinen Aufmerksamkeiten, mit denen wir den Menschen, die uns wichtig sind, sagen, dass wir an sie gedacht haben. Nehmen wir uns die Zeit, uns auf das Weihnachtsfest als Fest der Freude vorzubereiten.

Denn: Um es mit den Worten des berühmten chinesischen Philosophen Konfuzius zu sagen: „Der Weg ist das Ziel!“

Ich wünsche Ihnen allen, und natürlich euch, liebe Kinder, eine friedliche Adventszeit voll spannender Erwartung mit viel Raum für liebevolle Vorbereitungen, eine Zeit angefüllt mit Lichterglanz, Plätzchen- und Glühweinduft und stimmungsvoller Musik. - Und natürlich nicht zuletzt ein gesegnetes Weihnachtsfest!