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Auflösung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Auflösung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums sowie der Versetzung des Dienststellenleiters, Herrn ROAR Wolfgang Roth, in den Ruhestand am Donnerstag, 24. Juni 2010, um 11 Uhr, im Antoniushaus

Anrede

Wenn man ein Jubiläum feiert wie hier am Bundeswehr-Dienstleistungszentrum und man gleichzeitig Abschied nimmt, dann ist das natürlich etwas ganz Besonderes. Deshalb ja auch die Feier zum ungewöhnlichen 54. Bestehen dieser Dienststelle, verbunden mit der Verabschiedung Ihres Dienststellenleiters, Herrn Regierungsoberamtsrat Wolfgang Roth, in den Ruhestand.

Sie werden verstehen, dass die Bürgerinnen und Bürger Regensburgs und mit Ihnen wir von der Rathausspitze diesen Prozess der Neustrukturierung der Bundeswehrpräsenz in unserem Land mit gemischten Gefühlen sehen.

Sie wissen, wie sehr wir uns für den Verbleib von Bundeswehr-Einheiten und Dienststellen in unserer Stadt eingesetzt haben. Doch die Entscheidungen sind gefallen. Wir müssen sie hinnehmen, auch wenn wir die Gründe dafür nicht akzeptieren.

Es ist nicht Nostalgie, wenn ich sage: Regensburg hat eine tief verwurzelte Tradition als Garnisonsstadt.

Allein wenn man die Bundeswehrzeit ins Auge fasst, so hatten wir zu Hoch-Zeiten einmal bis zu 8000 Soldaten in der Stadt.

In unserer Bevölkerung hat das Verständnis für die Belange der Soldatinnen und Soldaten und aller ihrer Dienststellen, die zur Einsatzbereitschaft unerlässlich sind, stets einen hohen Stellenwert.

Allein an der Zahl 8000 lässt sich ermessen, welche beträchtlichen personellen, logistischen und finanziellen Aufgaben vom Dienstleistungszentrum bewältigt werden mussten.

Unser ehemaliger Bundespräsident, Horst Köhler, hat erst jüngst nach einem Afghanistan-Besuch gefordert, dass die Leistungen und auch die Opfer, die Männer und Frauen in der Bundeswehr für ihr Vaterland – also für uns alle – bringen, mehr Respekt verdienen.

Der Bundespräsident mahnte hier jedoch etwas an, was in unserer Stadt selbstverständlich ist. Soldatinnen und Soldaten sowie die Beamten und Angestellten der Bundeswehrverwaltung sind, so oft sie auch aus dienstlichen Gründen ihren Standort wechseln müssen, immer als Bürger und Bürgerinnen Regensburgs willkommen.

Das war in der Vergangenheit so und ist auch heute noch gültig.

Man weiß aus nächster Nähe von ihrem Dienst, vom Besonderen ihrer Arbeit für die Allgemeinheit. Das gilt auch für die bisher nicht gekannten Anforderungen, die der Einsatz außerhalb der deutschen Grenzen zur Wahrung des Weltfriedens mit sich bringt.

Diese soziale Akzeptanz ist ein Wert an sich, der letztlich unseren Streitkräften und all ihren Angehörigen zugute kommt.

Einverstanden: Man muss Standortentscheidungen nach militärischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten treffen. Ob das im Falle Regensburg-Stadtallendorf der Fall war bezweifle ich. Es ist aber auch klug, die Frage zu stellen, wo Soldatinnen und Soldaten willkommen sind, wo sie ein Klima und eine Stadtgesellschaft vorfinden, in denen sie sich verstanden und angenommen fühlen können. Und nicht zuletzt hat unsere Stadt eine Lebensqualität, die sich so schnell nicht anderswo finden lässt.

Meine Damen und Herren,

als vor sechs Jahren die Pläne zur Umstrukturierung der Stationierung der Bundeswehr bekannt wurden, hat man den Städten und Landkreisen vorgeworfen, dass es ihnen nur um die wirtschaftlichen Vorteile gehe, als sie vernehmlich Protest eingelegt haben.

Wir leugnen keineswegs, dass die Bundeswehr in Regensburg eine wirtschaftlich interessante Größe gewesen ist. Wenn der Standort Regensburg von damals noch 1450 Dienstposten auf nur noch 100 signifikant reduziert worden ist, dann spüren wir das natürlich im Steueraufkommen und in der Inanspruchnahme von handwerklichen und anderen Dienstleistungen in der Stadt. Wir haben hochwertige Arbeitsplätze verloren - Kasernen wurden, beziehungsweise werden aufgegeben.

Nur die Bajuwaren-Kaserne bleibt erhalten. Die Streichliste ist lang und schmerzlich. Sie reicht vom Abzug des Stabes und der Stabskompanie der Division Spezielle Operationen nach Stadtallendorf bis hin zum Heeresmusikkorps 4, das für die Regensburg und die Region auch eine kultureller Verlust ist.

Unser Protest hatte aber nie wirtschaftliche Gründe, sondern war ausschließlich daraus geprägt, dass Soldatinnen und Soldaten in unsere Stadt gehören und wir wollten, dass das so bleibt.

Wir sind aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht zusammen gekommen, um zu klagen, wenn auch ein wenig Wehmut durchaus am Platz ist.

Ich darf vor allem im Namen der Regensburgerinnen und Regensburger die Gelegenheit nutzen, ein aufrichtiges Dankeschön zu sagen.

Speziell das Dienstleistungszentrum, dessen Jubiläum heute auch zu feiern ist, hat so etwas wie eine Brückenfunktion zwischen der Zivilgesellschaft und der Bundeswehr wahrgenommen. Die etwas im Hintergrund Arbeitenden sieht man ja gewöhnlich im ersten Moment nicht.

Um ihre Leistungen zu würdigen, meine sehr verehrten Damen und Herren des Dienstleistungszentrums, fällt mir ein Gedicht von Bertolt Brecht ein.

Es trägt den Titel „Fragen eines lesenden Arbeiters“. Darin erkundigt sich dieser Mann, ob denn Cäsar allein die Gallier besiegt habe oder ob es nur Alexander der Große als Heldenperson gewesen sei, der in Indien erfolgreich seine Heerzüge bestritten habe?

Sei nicht wenigstens ein Koch, ein Handwerker dabei gewesen - alle die, die treue Dienste geleistet haben? Ohne sie wären die großen militärischen wie überhaupt alle staatlichen Leistungen gar nicht möglich gewesen.

Was für die Betrachtung historischer Ereignisse gilt, hat umso mehr Bedeutung für hochmoderne, sehr bewegliche Streitkräfte im Informationszeitalter.

Ohne das, was Sie im Dienstleistungszentrum für die Funktionsfähigkeit der Truppe ins Werk setzen, wäre deren permanente Einsatzfähigkeit nicht denkbar.

Das Spektrum Ihrer Dienstleistungen im Rahmen der territorialen Wehrverwaltung ist breit gefächert.

Vom Personal- bis zum Rechnungswesen, vom Liegenschaftsmanagement bis zur Materialbeschaffung und zur Sicherstellung der Verpflegung und der sozialen Betreuung reichen Ihre Aufgaben.

In vielen Dingen gleicht das der Daseinsvorsorge, wie sie eine Stadtverwaltung auch zu leisten hat. Wir können also einschätzen, wie kompliziert, aber auch wie wichtig die Funktionen eines Dienstleistungszentrums für die zu versorgenden Truppenteile sind.

Dass Ihnen das immer gelungen ist, verdient beim heutigen Jubiläum eine besondere Hervorhebung und ein Lob auch von unserer Seite.

Nicht zuletzt deshalb, weil das Dienstleistungszentrum auch immer wieder hochwertige und zukunftssichere Ausbildungsplätze in staatlich anerkannten Berufen zur Verfügung gestellt hat.

Sie haben so Ihren Beitrag dazu geleistet, jungen Menschen in unserer Stadt eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Dafür gilt Ihnen unser besonderer Dank.

Eine – ich darf wohl sagen – erfolgreiche Ära des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr in Regensburg geht jetzt zu Ende.

Sie können stolz sein auf das, was Sie für unsere Soldatinnen und Soldaten und damit auch für unsere Stadt geleistet haben. Der Regensburger Betreuungsbereich wird ja dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Bogen zugeschlagen.

Allen, die aus diesen strukturellen Gründen Regensburg verlassen müssen, wünsche ich alles Gute. Bleiben Sie unserer Stadt verbunden, wie auch wir an Ihrer weiteren Entwicklung interessiert sind.

Es bleibt uns ja als kleiner Trost.

Neben dem Kreiswehrersatzamt bleibt als standortbestimmendes Organisationselement die Betreuungsstelle des Heeres für zivilberufliche Aus- und Weiterbildung erhalten.

Ich bin sicher, dass die 350 Teilnehmer der Lehrgänge in Regensburg optimale Bedingungen haben und als Kurzzeitbürger unsere Stadt lieben und schätzen lernen.

Jedem Ende und damit jedem Anfang kann man also auch eine positive Seite abgewinnen. Wir tun dies, verbunden mit einem großen Dankeschön an Sie alle.

Dieser Dank gilt vor allem auch Ihnen Herr Oberregierungsamtsrat Roth.

Vier Jahre haben sie das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum geleitet. Sie gehen in den wohl verdienten Ruhestand. Dabei begleiten Sie auch die guten Wünsche der Stadt Regensburg.