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300 Jahre Meissen Porzellanfanufaktur - Eröffnung der Jahrhundert-Ausstellung

 -Es gilt das gesprochene Wort- 

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Eröffnung der Jahrhundert-Ausstellung zum 300-jährigen Jubiläum der MEISSEN Porzellanmanufaktur am Donnerstag, 22. April 2010, um 11 Uhr, in den Regensburg Arcarden

Anrede

Angesichts dessen, was man aus dem Weißen Gold, dem Porzellan, kreativ schaffen kann, muss man als Regensburger und auch als Oberpfälzer doch ein wenig vor Neid erblassen. Und ich sage Ihnen, verehrte Gäste, auch gleich warum.

Zuerst aber überbringe ich die Grüße und guten Wünsche der Stadt zu dieser Jahrhundertausstellung „300 Jahre Meissner Porzellanmanufaktur“ verbunden mit einem Dankeschön an die Regensburg Arcaden, an Sie, Herr Deistler, dass Sie auch die Regensburgerinnen und Regensburger teilhaben lassen an diesem Jubiläum und an diesem opulenten Beweis handwerklicher, aber auch künstlerischer Kultur rund um das geschätzte, ja auch geliebte Porzellan.

Dass man sich rundweg in Porzellan verlieben kann, wenn es auf solch hohem Niveau historisch und auch aktuell präsentiert wird, versteht sich hier von selbst. Die Sehnsucht nach dem Schönen, aber auch die nach dem Exotischen aus fernen Ländern und Kulturen ist ja eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Porzellan-Kreationen aus Meißen.

Meissner Porzellan hat unter dem Markenzeichen der gekreuzten Schwerter in aller Welt Freunde – und diese selbstverständlich auch in Regensburg.

Und jetzt bin ich Ihnen natürlich die Erklärung schuldig, warum wir Regensburger, zumindest die geschichtsbewussten, wenn schon nicht mit Neid, so doch mit einem Anflug von Wehmut all diese Pracht aus Meißen sehen.

Der Grund ist:

Auch Regensburg hatte ja einmal eine Porzellanmanufaktur. Fast genau 100 Jahre nach der Meißener Gründung wurde sie geschaffen. Auch bei uns war es ein Fürst, unter dessen Regierungszeit sie gegründet wurde. Es war der Fürstprimas Carl von Dalberg. Dessen Regentschaft von Napoleons Gnaden währte aber nicht einmal zehn Jahre, bis 1810.

Die Porzellanmanufaktur, in dem heute noch am Singrün existierenden klassizistischen Gebäude, brachte es immerhin auf eine Lebensdauer von 65 Jahren. Produziert wurden dort neben Pfeifenköpfen, Puppengeschirr und Andenkentassen in erster Linie so profane Dinge wie Kaffeebecher, die so genannten Türkenbecher, weil sie über Wien in die Türkei exportiert wurden.

Prunkstücke dieser Manufaktur waren 1830 ein Frühstücksservice und ein Pokal für den Bayerischen König Ludwig I. und seine Gemahlin Therese. Es waren Gastgeschenke, die der Magistrat der Stadt anlässlich der Einweihung der Walhalla in Auftrag gegeben hatte.

Meine Damen und Herren, Sie sehen, auch Regensburg hat eine Porzellan-Geschichte, wenn diese freilich auch nicht an die von Meissen heranreicht. Wir hatten aber auch nicht so glanzvolle, ruhmreiche und machtbewusste Fürsten wie die Sachsen.

Porzellan ist übrigens auch eine - wenn auch eine ganz andere - Erfolgsgeschichte in der Oberpfalz und im angrenzenden Oberfranken. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier die Porzellanfabrikation im großen Stil heimisch. Bis zu 90 Prozent des deutschen Porzellans wurden einmal in modernsten Fabriken in Selb, Arzberg und Weiden hergestellt. Auch hier wurde gestalterisch Beachtliches in der Porzellangeschichte geschaffen. Hauptsächlich produzierte man freilich Gebrauchsporzellan.

Aber auch das ist ja schon wieder Vergangenheit.

Was zeitlos ist, ist das Schöne, das nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt ist. Die Meissener Porzellanmanufaktur mit ihrer Pflege des Vergangenen, aber auch ihrem Weg in die Zukunft ist dafür das beste Beispiel. Das Schöne hat immer Konjunktur.

Und hier sind wir wieder ganz beieinander. Regensburg und Meißen sind mit den vier weitern Städten Lübeck, Bamberg, Görlitz und Stralsund in der Arbeitsgemeinschaft historischer Städte verbunden. Es geht um die Bewahrung der überlieferten Baukultur und um das Fruchtbarmachen des geschichtlichen Erbes für die Zukunft.

Die Meissener Porzellanmanufaktur ist uns darin ein nachahmenswertes Beispiel für zukunftssichere Kreativität. An der dürfen wir uns heute einmal uneingeschränkt freuen und mit uns all die Menschen, die diese Kostbarkeiten bewundern noch werden.