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Verkehrsfreigabe Nordgaustraße

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der offiziellen Verkehrsfreigabe der Nordgaustraße am Freitag, 29. Mai 2009, 13 Uhr

Anrede 

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“
Dieses Zitat von Franz Kafka unterstreicht, dass es sich gelohnt hat, dass wir gemeinsam den Weg gegangen sind und die Nordgaustraße unter den Aspekten der aktuellen Verkehrsentwicklung und den wachsenden Bedürfnissen des öffentlichen Nahverkehrs umgebaut haben.

Es freut mich daher sehr, dass wir heute die Nordgaustraße für die Bürgerinnen und Bürger freigeben können.

Begonnen, diesen Weg zu beschreiten, haben wir schon Anfang der neunziger Jahre – und zwar mit dem Verkehrsentwicklungsplan, den die Stadt zwischen 1993 und 1997 aufgestellt hat. Es folgte das Konzept für den öffentlichen Personennahverkehr, das Ende 1996 vom Stadtrat beschlossen wurde, und das Verkehrsgutachten „Großraum Regensburg“, das zwischen 2002 und 2005 erarbeitet wurde.

In allen Forderungen findet sich die Aussage wieder, dass die Verkehrsachse Stobäusplatz – Weißenburgstraße – Nibelungenbrücke – Nordgaustraße – Sallerner Regenbrücke – Lappersdorfer Kreisel für den ÖPNV und für den Individualverkehr ausgebaut und gestärkt werden muss.

Der Verkehrsentwicklungsplan und das Verkehrsgutachten „Großraum Regensburg“ fordern außerdem den Neubau der Ostumgehung zwischen der Walhalla Allee und der B 16 bei Haslbach. Mit diesen beiden Verkehrstrassen soll eine effektive Neuordnung des Verkehrs im Norden der Stadt erreicht und die Straßenverbindungen zwischen der Stadt und dem nördlichen Landkreis gestärkt werden.

Doch bei allen Infrastrukturmaßnahmen stehen ganz besonders die Belange der Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt: Wichtig war es, die Wohngebiete - insbesondere an der Lappersdorfer Straße, an der Amberger Straße und an der Sandgasse - vom Durchgangsverkehr zu entlasten, die Wohnqualität zu steigern und mehr Sicherheit für die Anwohner zu gewährleisten. Die Menschen sollen zügig und wohlbehalten nach Hause, zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freizeiteinrichtungen gelangen – sei es mit dem Bus, dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß.

Ein weiteres übergeordnetes Ziel der beiden Verkehrsachsen ist die Stärkung des Wirtschaftstandortes Regensburg. Eine gute Infrastruktur wird immer wieder Standortentscheidungen beeinflussen und die Schwächen des Verkehrsnetzes im Stadtnorden stellen seit geraumer Zeit eine Belastung für die Gewerbe- und Industriebetriebe in der Stadt dar.

Das Ende 2005 fertig gestellte Verkehrsgutachten „Großraum Regensburg“ empfiehlt daher konkret drei Maßnahmen.

  • Ausbau der Nordgaustraße zwischen Nibelungenbrücke und Isarstraße
  • Ausbau der Nordgaustraße nördlich der Isarstraße mit Neubau der Sallerner Regenbrücke
  • Neubau der Ostumgehung zwischen Walhalla Allee und B 16 bei Haslbach

Alle drei Maßnahmen wurden von der Stadt ab November/Dezember 2005 geplant, zumal der Freistaat Bayern für eine zeitnahe Realisierung eine 80-Prozent-Förderung der zuschussfähigen Kosten in Aussicht gestellt hatte.

Die Vorplanungen wurden bis April 2006 erstellt und im Mai 2006 hat der Stadtplanungsausschuss allen drei Projekten zugestimmt. Nach der Bürgerbeteiligung im Juni desselben Jahres begann die Erstellung der Planfeststellungsunterlagen. Speziell für den Abschnitt der Nordgaustraße, den wir heute gemeinsam mit Ihnen freigeben, konnten im Oktober 2006 die Planfeststellungsunterlagen bei der Regierung der Oberpfalz eingereicht werden. Bereits im August 2007 lag der Planfeststellungsbeschluss vor. Im November 2007 gewährte der Freistaat dann den Fördersatz von  80 Prozent.

Der Spatenstich für die Nordgaustraße zwischen Nibelungenbrücke und Isarstraße erfolgte am 9. Juni 2008 und heute, am 29. Mai 2009, findet der termingerechte Abschluss der Bauarbeiten statt. In den vergangenen zwölf Monaten wurde die Baumaßnahme mit jeweils mehrmonatigen Verkehrsumlegungen verwirklicht. Schwierige Situationen mussten dabei von der Baufirma und von der städtischen Bauleitung gemeistert werden. Während des langen Winters wurde die Baustelle wortwörtlich für einige Monate „eingefroren“ – auch dies war eine Geduldsprobe für alle Beteiligten, Anwohner und Verkehrsteilnehmer.

Dass die weiteren Bauarbeiten überhaupt über den Winter weiterlaufen mussten, war jedoch auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zurückzuführen, die einen deutlich früheren Baubeginn im Jahr 2008 verhinderte. Dieses Klageverfahren, ich möchte dies nicht unerwähnt lassen, ging übrigens erst kürzlich, am 7. Mai 2009 zu Ende, wobei das Hauptanliegen des Klägers nach zusätzlichen Lärmschutzwänden vom Gericht zurückgewiesen wurde.

Aber wie heißt es so schön bei Johann Wolfgang von Goethe:
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“. Und das haben wir für die Bürgerinnen und Bürger getan und folgende Verbesserungen durch die neue Nordgaustraße zwischen Nibelungenbrücke und Isarstraße erfolgreich geschaffen:

  • Kürzere Fahrzeiten für den ÖPNV und seine Nutzer durch separate Busspuren und neue Vorfahrt- Lichtzeichenanlagen für die Busse
  • Weniger Staus für den Individualverkehr durch neu ausgebaute Kreuzungen
  • Weniger Lärm und Abgase für die Anwohner
  • Mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger durch gesicherte Überwege und neue Radwegführungen
  • Höhere Qualität der Fahrbahnen, bessere Ebenheit und geringere Lärmentwicklung
  • Abwechslungsreicher Grünbestand und neue Pflanzungen

Insgesamt können wir sagen, dass die Nordgaustraße in ihrer Funktion als zentraler Zubringer zur Regensburger Innenstadt gestärkt wurde und den Regensburger Norden noch attraktiver macht.

Doch die Fertigstellung der Straße ist erst der Startschuss für zwei weitere, sich sinnvoll anschließende Straßenbaumaßnahmen im Norden von Regensburg: die Ostumgehung und der Bau der Sallerner Regenbrücke.
Der Antrag auf Planfeststellung für die Ostumgehung wurde von der Stadt im Dezember 2006 gestellt. Erst nach mehr als zwei Jahren konnte die Regierung der Oberpfalz im Februar 2009 den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Seit April ist der Beschluss rechtskräftig und die Stadt erwartet jetzt Anfang Juni 2009 den Zuwendungsbescheid des Freistaates Bayern, der zwar nicht mehr 80, aber doch mehr als 75 Prozent zusagen wird. Anschließend wird die Stadt die Bauarbeiten dieser Maßnahme ausschreiben. Die Vorarbeiten hierzu wurden bereits geleistet. Noch in diesem Herbst soll mit den Vorbereitungsarbeiten zum Bau der Ostumgehung begonnen werden. Das Bauende ist für das Jahr 2013 vorgesehen. Ziel dieses Projekts ist es, besonders die Konradsiedlung vom Schleichverkehr zu entlasten und die Industrie- und Gewerbegebiete des Stadtostens direkt an die B 16 anzubinden.

Die Maßnahme Nordgaustraße/Sallerner Regenbrücke/Lappersdorfer Kreisel befindet sich seit Februar 2007 in der Planfeststellung. Da sich nach der ersten Auslegung zahlreiche Einwendungen gegen die Pläne ergaben, wurde von der Regierung eine zweite Planauslegung mit überarbeiteten Unterlagen veranlasst. Voraussichtlich wird heuer im Herbst der Erörterungstermin stattfinden und für 2010 erwartet die Stadt den Planfeststellungsbeschluss.

Ziele dieser Bauarbeiten sind auch wieder schwerpunktmäßig, die Wohngebiete vom Durchgangsverkehr zu entlasten und eine direkte Anbindung der Nordgaustraße an die A 93 und an die B 16 über die neue Sallerner Regenbrücke und über den umgebauten Lappersdorfer Kreisel zu schaffen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, zur Verwirklichung eines solchen Großprojekts ist natürlich das gute und reibungslose Zusammenwirken vieler Beteiligter notwendig.

Zuerst möchte ich den Anliegern und Anwohnern sehr herzlich danken, die weitgehend klaglos die Umsetzung dieses Projektes unterstützt haben.
Und ich danke allen Verkehrsteilnehmern, die in der Bauphase Umleitungen oder auch Sperrungen mit großer Geduld ertragen haben – auch wenn ich dazu sagen muss, dass sich Störungen unterm Strich, bei einer Baumaßnahmen in dieser Großenordnung wirklich in Grenzen gehalten haben.
Das Planungs- und Baureferat hat immer wieder nach praktikablen Lösungen gesucht hat, um den Verkehrsfluss so reibungslos wie nur möglich an der Baustelle herumzuführen.

Mein Dank gilt allen Dienststellen des Freistaates Bayern und Ämtern der Stadtverwaltung Regensburg, die an der Planung und Genehmigung beteiligt waren und die Bauarbeiten nach Plan realisiert haben. Und ich danke den beauftragten Firmen und allen Arbeitern für ihren großartigen Einsatz und für die termingerechte Fertigstellung.

Dem Freistaat Bayern gilt mein Dank für die großzügige Förderung:
Von den verursachten Gesamtkosten in Höhe von rund 8 Millionen Euro erhält die Stadt - dank des Fördersatzes von 80 Prozent - 5,6 Millionen Euro. Somit liegen die städtischen Eigenmittel bei 2,4 Millionen Euro.

Ich wünsche nun allen, die die Nordgaustraße nutzen, eine staufreie, sichere und stets unfallfreie Fahrt.

Dem öffentlichen Nahverkehr wünsche ich noch mehr Nutzer und Mitfahrer. Ich bin überzeugt davon, dass sich unsere Anstrengungen besonders für den ÖPNV gelohnt haben – Busfahren ist ja generell nicht nur umweltfreundlich, sondern jetzt durch die eigene Busspur definitiv noch schneller und bequemer.

Und ich hoffe, dass auch die weiteren Infrastrukturprojekte - trotz der weltweiten Wirtschaftskrise, die sich auch auf die Stadt niederschlägt - durchgeführt werden können und wir mit den Maßnahmen einer guten und sicheren Zukunft für die Stadt Regensburg insgesamt entgegen sehen können.