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Margarete-Runtinger-Preis 2009

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verleihung des Margarete-Runtinger-Preises 2009 am 15. Oktober 2009, 20 Uhr, Altes Rathaus, Reichssaal

 

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Markus Sackmann,

sehr geehrte Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden

sehr geehrte Mitglieder der Jury,

sehr geehrte ehemalige Preisträgerinnen,

sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Medien

Herzlich willkommen zur 10. Verleihung des Margarete-Runtinger-Preises für die frauen- und familienfreundlichsten Unternehmen in Stadt und Landkreis. Historisch und zeitgemäß zugleich feiern wir dieses Jubiläum und die diesjährigen Preisträger im Haus der Geschäftsfrau Margarete Runtinger.

Ich möchte einen kurzen Blick zurück werfen, um den Fortschritt in Sachen Frauen- und Familienfreundlichkeit zu verdeutlichen.

Als sich 1991 die Initiatoren des Projekts „Frau und Beruf“ an meine Vorgängerin Oberbürgermeisterin Christa Meier wandten, um Idee und Konzept vorzustellen und die Zusammenarbeit mit der Stadtpolitik abzustimmen, da gab es noch kein „E-Quality-Gütesiegel“ für Chancengleichheit und keinen Bayerischen Frauenförderpreis. Das Projekt hatte vom damaligen Frauen- und Familienministerium des Bundes den Auftrag, den Wiedereinstieg von Frauen nach der Familienphase zu fördern. Ihre Beratung und Qualifizierung sollte im Vordergrund stehen und gleichzeitig sollten Firmen motiviert werden, die Potentiale dieser Frauen zu nutzen und ihnen Arbeitsplätze anzubieten.

Was kann motivierender sein als ein positives Vorbild, das zeigt, wie es geht? So dachten die Stadtspitze und die Volkshochschule als Projektträger und lobten einen Preis aus.

Oberbürgermeisterin Christa Meier stiftete die Statue für den Preisträger und Bürgermeisterin Hildegard Anke war von der ersten Stunde mit Rat und Tat dabei. Als Namensgeberin wurde aus gutem Grund die Herrin des Hauses, in dem wir heute zu Gast sind, ausgewählt.

Die Realität hat der Idee Recht gegeben: der Wettbewerb hat im Lauf der Jahre überraschend viele ideenreiche Modelle frauen- und familienfreundlicher Personalpolitik in Unternehmen zu Tage gefördert, prämiert und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. 29 Preisträgerinnen und drei Gewinner des bayerischen Frauenförderpreises belegen inzwischen mehr als deutlich, wie sehr man sich in Regensburg für Familien, Frauen und Firmen engagiert.

Längst ist normal geworden, wofür wir die ersten Gewinner auszeichneten:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle
  • Telearbeit,
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse von Eltern

Besonders gefreut habe ich mich über einmaliges Engagement und so manche, mit außergewöhnlicher Kreativität umgesetzte Ideen:

  • ein Mutter-Kind-Büro in einer Arztpraxis,
  • die ersten Väter in Erziehungszeit,
  • Quereinstiege nach längerer Familienphase,
  • vorbildliche Firmenchefinnen

und immer wieder die Haltung, die dahinter steht: „wir haben es einfach versucht“ und “geht nicht, gibt’s nicht“.

Natürlich sehe und weiß ich, dass Gleichberechtigung in Deutschland noch lang nicht erreicht ist - diese Fakten kennen Sie alle:

  • Frauen sind nicht entsprechend ihrer Qualifikationen und Fähigkeiten in Führungspositionen vertreten, weder in der Wirtschaft, noch in der Verwaltung, oder der Hochschule.
  • Frauen verdienen bis zu 23% weniger als Männer.
  • Zum Zeitpunkt der Familien-gründung stellt sich für jedes Paar die Aufteilung der Familien-aufgaben neu und sieben von zehn Frauen, die ein Kind bekommen, unterbrechen auch heute ihre Erwerbstätigkeit.
  • 60% der Mädchen entscheiden sich - trotz Girls Day - für ganze zehn Ausbildungsberufe und das sind nicht die Berufe, in denen sie später gut für den Lebensunterhalt einer Familie sorgen, geschweige denn beruflich vorwärts kommen können.

Die Stadt Regensburg denkt und handelt in die Zukunft, das wird sich auch bei der Wahl der diesjährigen Preisträger zeigen. Wir engagieren uns finanziell und personell, geben organisatorische Hilfen bei der Gründung von Kinderbetreuungseinrichtungen in Betrieben, beim Ausbau von Krabbelstuben, Kindergärten und Horten und kümmern uns um die Erweiterung des Angebots an Ganztagsschulen.

Hilfreich ist uns dabei ein Netzwerk mit städtischen Ämtern, freien Trägern und Firmen. Dadurch bekommen wir die Betroffenen und Handelnden an einen Tisch und können uns abstimmen und gemeinsam planen. Besonders freut mich in diesem Zusammenhang, dass es in Regensburg einen Aktionskreis „Familien und Beruf“ gibt, in dem die IHK, das Amt für kommunale Jugendarbeit und unser Projekt „Regionalzentrum Frau und Beruf“ kontinuierlich zum Thema informieren und Bildungsarbeit leisten.

Sie sehen, meine Damen und Herren, Frauen- und Familienfreundlichkeit ist kein statisches Thema. Es ist in Bewegung und wird täglich erweitert und neu gelebt. Deshalb haben wir die 10. Verleihung zum Anlass für Neuerungen genommen:

  • Bis zur heutigen Verleihung wanderte eine Statue, gestaltet von der niederbayerischen Künstlerin Erika Einhellinger, von Preisträger zu Preisträger. Ab 2009 bekommen alle drei Sieger eine von Regina Hellwig-Schmid gestaltete Plastik. Damit erhalten alle Preisträger eine Auszeichnung, die sie behalten und in ihrem Unternehmen präsentieren können.

Herzlichen Dank Frau Hellwig-Schmid für den spielerisch leichten und aussagekräftigen Entwurf, wir werden das „Ausrufezeichen“ als Auszeichnung und gleichzeitig als Aufforderung verstehen.

  • Mit diesem Wettbewerb haben wir die Kriterien der Ausschreibung und Vergabe geschärft und zeichnen jeweils eine Firma in den Kategorien Kleinbetrieb, Unternehmen mittlerer Größe und Großunternehmen aus.

Damit werden wir den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Firmen und der Vielfalt der Maßnahmen und Modelle besser gerecht.

  • Erstmals können wir, durch das Engagement zweier Sponsoren, nämlich „Wissen und mehr“, dem Förderverein der Volkshochschule und der Sparkasse Regensburg alle Preisträger mit einer Prämie in Höhe von 1000,- € unterstützen.

Ganz besonders freut es mich, dass aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums unseres städtischen Frauenförderpreises Frau Staatsministerin Christine Haderthauer, vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung die Schirmherrschaft für den Wettbewerb 2009 übernommen hat. Ihr Haus fördert unser Projekt „Frau und Beruf“ schon seit vielen Jahren. Ohne das 20-jährige Engagement für dieses Projekt hätte der Preis kaum seine spürbare Nachhaltigkeit und Wirksamkeit erreicht.

Ein großes Dankeschön gilt allen, die an diesem Wettbewerb mitgewirkt haben, besonders den Firmen. Egal ob sie heute prämiert werden oder nicht: Sie leisten Hervorragendes und haben engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ich freue mich, dass heute Abend Herr Markus Sackmann, Staatssekretär im Bayerischen Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen in Vertretung für die Frau Staatsministerin Haderthauer bei uns ist und damit sowohl die Bedeutung des „Regionalzentrums Frau und Beruf Regensburg“ als auch des Margarete-Runtinger-Preises betont und gebe das Wort gerne an ihn.