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Tagung „Konrad von Megenberg“

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Begrüßung der Teilnehmer an der Tagung „Konrad von Megenberg“ am Donnerstag, 27. August 2009, 9 Uhr, Bischöfliche Zentralbibliothek

Meine sehr verehrten Damen und Herren, verehrte Teilnehmer dieser interdisziplinären und gleichzeitig internationalen Tagung.

Sie erweisen mit Ihrem wissenschaftlichen Programm und der Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek dem spätmittelalterlichen Enzyklopädisten Konrad von Megenberg Ihre Reverenz zu seinem 700. Geburtstag.

Wie kann man so einen Universalgelehrten besser ehren als mit einem respektabel besetzten, wissenschaftlichen Diskurs über

  • sein Wirken,
  • die Enzyklopädik im europäischen Kontext
  • über die Person Konrad von Megenberg selbst und
  • das Wissen seiner Zeit.

Wir freuen uns darüber und sagen gleichzeitig als Stadt Regensburg ein Dankeschön an den Lehrstuhl für Ältere deutsche Literatur, vor allem an Sie, Frau Professorin Dr. Edith Feistner, und an die Oskar-von-Wolkenstein-Gesellschaft, dass dieses Geburtstagssymposion in unserer Stadt stattfindet.

Als Lokalpatrioten, die wir hier einmal mit Fug und Recht sein dürfen, sagen wir: Natürlich kann so eine Tagung nur in Regensburg ausgerichtet werden, war Konrad von Megenberg doch von 1348 bis zu seinem Tod im Jahr 1374 Domherr in Regensburg.

Doch es wäre durchaus gut begründbar, eine Konrad-von Megenberg-Tagung auch in Paris oder Wien stattfinden zu lassen.

  • In Paris hat er nicht nur sein Studium der Artes liberales absolviert, sondern auch von 1334 bis 1342 an der Sorbonne als Lehrer gewirkt.
  • Er ging dann nach Wien, um das ehrenvolle Amt des Rektors an der Stephansschule zu übernehmen, an der Bildungsstätte, aus der ja dann die Wiener Universität 1365 hervorgegangen ist.

Man liegt wohl nicht falsch, wenn man behauptet, dass er dafür gute Vorarbeit geleistet haben muss.

Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, wissen Sie natürlich besser als ich. Ich erwähne es jedoch, weil sich damit ein Bogen spannen lässt zur Situation der Akademiker heute, vornehmlich des akademischen Nachwuchses.

Von ihm wird ganz selbstverständlich im hohen Maß nicht nur geistige Flexibilität erwartet. Junge Akademiker und Akademikerinnen müssen auch jederzeit bereit sein, für ihre berufliche Karriere einen Ortswechsel vorzunehmen, ins Ausland zu gehen, heute ganz sicher in kürzeren Intervallen als das früher der Fall gewesen ist.

Und auch das lehrt uns die Vita des Konrad von Megenberg. Man benötigte damals schon, was heute auch durchaus nützlich ist:
gute Beziehungen und wohlgesonnene Förderer

Megenberg, der ja aus niederem Adel stammt, ist mit einem Akademiker heute zu vergleichen, der aus der Aufsteiger-Schicht kommt und einiges an Anstrengungen unternehmen muss, dass er nicht in der Generation Zeitvertrag hängen bleibt.

Wir als Stadt Regensburg mit einer Universität, die sich den wenigen Jahrzehnten ihres Bestehens Ansehen in der wissenschaftlichen Welt verschafft hat, sehen den akademischen Wanderzirkus, der ja längst auch in Industrie und Verwaltung Platz gegriffen hat, mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge.

Wir freuen uns, dass Regensburg so attraktiv geworden ist, dass die Stadt mit ihren Hochschulen, ihren Wirtschaftsunternehmen und ihren Verwaltungseinrichtungen junge, gut ausgebildete Menschen anzuziehen vermag. Im regionalen und überregionalen Wettbewerb sind wir auf diese Leistungsträger angewiesen. Persönlich und gesellschaftlich erweist sich das berufliche Nomadentum aber im hohen Maß auch mit Problemen belastet.

  • Wie lassen sich in dieser Situation stabile Familienverhältnisse schaffen?
  • Kann man von Menschen erwarten, die im Zyklus von Zeitverträgen ihr Leben planen müssen, dass sie sich überhaupt noch gesellschaftlich engagieren?

Ich meine, zur Flexibilität gehört auch Stabilität in der Lebensplanung. In der richtigen Balance zwischen beiden Polen liegt die Kraft, die wir zum Fortschritt, aber auch zur Bewältigung der Aufgaben benötigen, die uns in den kommenden Jahren des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandels gestellt sind.

Sie, meine Damen und Herren, nehmen an dieser Tagung mit einer im weitesten Sinn wohl geisteswissenschaftlichen Vorbildung teil. Wenn ich Ihnen aus der Sicht eines Bürgermeisters, der für die sozialen Belange und Verantwortlichkeiten der Stadt zuständig ist, sage:
Wir brauchen Sie, ihre Fähigkeiten und kulturellen Kompetenzen, wenn wir uns den Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels erfolgreich stellen wollen, dann will ich ihnen damit nicht nach dem Mund reden.

Es wäre aber auch heuchlerisch, wenn ich jetzt behaupten würde, wir Städte wären jetzt auf einmal nicht mehr so sehr interessiert am wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fortschritt. Denn ohne wettbewerbsfähige Wirtschaftskraft, ohne die wissenschaftlichen und technologischen Innovationen tun wir uns um vieles schwerer, die Probleme der Zukunft zu meistern.

Deswegen sind wir den Hochschulen der Stadt und der Region auch dankbar für naturwissenschaftliche und technologische Anstrengungen, die in der Bildung von Kompetenzzentren wie dem Biopark ihren Niederschlag finden.

Wir sind uns aber nicht minder bewusst,

  • dass naturwissenschaftlicher,
  • technologischer oder
  • wirtschaftlicher Fortschritt

ohne ein geistiges Fundament nur auf dem Treibsand der wechselnden Konjunkturen gebaut ist.

Die Leistung der Regensburger Universität in der geisteswissenschaftlichen Lehre und Forschung ist genau so von existenzieller Bedeutung für Stabilität und Entwicklung unserer Stadtgesellschaften. Auch hier sind wir als Stadt Regensburg gern und engagiert Ihr Partner.

Der technologisch, aber gleichermaßen geisteswissenschaftlich und damit moralisch gebildete Mensch ist der Bürger der Zukunft. Auch dabei kann uns ja Konrad von Megenberg Vorbild sein. Er hat sich moralphilosophisch, theologisch und naturwissenschaftlich betätigt und er hat sich in die Angelegenheiten seiner Zeit wortgewaltig eingemischt.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen für Ihre Tagung einen regen Gedankenaustausch und neue Erkenntnisse über Konrad von Megenberg. Er wurde vor 700 Jahren geboren und ist doch erstaunlich aktuell in seinem grundlegenden Denken und seinem verdienstvollen Bestrebungen, das naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit breiten Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen.