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Ausstellung „A tog in Regensburg“

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „A tog in Regensburg“ am 15. Februar 2009 um 11 Uhr im Historischen Museum

- Begrüßung -

Ich freue mich sehr, Sie hier im Historischen Museum der Stadt Regensburg zur Eröffnung der Ausstellung „A tog in Regensburg“ begrüßen zu dürfen.

Das Thema der Ausstellung führt zurück in die Geschichte der Stadt Regensburg: Es war die Vertreibung von fast 600 Juden aus Regensburg im Februar 1519, die den jiddischen Autor Joseph Opatoshu 1933 zu der Erzählung „Ein Tag in Regensburg“ inspirierte und die dann von seinem langjährigen Freund Marc Chagall mit einem Frontispiz versehen wurde.

Den Philologinnen vom Institut für Slavistik der Universität Regensburg Evita Wiecki und Dr. Sabine Koller verdanken wir die Übertragung dieser Erzählung ins Deutsche.

Die Ausstellung verknüpft die Regensburger Stadtgeschichte mit der jiddischen Sprache und Literatur, die Geschicke der jüdischen Gemeinde im 16. Jh. mit dem 20. Jh. Die Wurzeln der jüdischen Gemeinde in Regensburg reichen bis in die römische Zeit zurück. Gesichert ist ihre Existenz seit dem 9. Jh. und damit gehört sie zu den ältesten in Deutschland. Bereits im 10. Jh. wird von einer „habitacula Judeorum“ berichtet, einer Wohnstatt der Juden. Aus dieser Zeit sind theologische Disputationen zwischen Christen und Juden bekannt. Die Regensburger Talmudschule mit berühmten Rabbinern wie dem Tossafisten Isaak ben Mordekai, Ephraim ben Isaak ben Abraham, „der Große aus Deutschland“, Jehuda he Chassid, Petachia ben Jacob ha-Laban – um nur einige zu nennen – strahlte seit dem hohen Mittelalter in die gesamte jüdische Geisteswelt aus. An dem stark expandierenden Handel mit Gütern aus aller Herren Länder waren auch die jüdischen Kaufleute beteiligt. Über lange Zeit war das Zusammenleben von Toleranz bzw.  gegenseitiger Akzeptanz geprägt. So ist Regensburg die einzige deutsche Großstadt, deren jüdische Gemeinde das gesamte Mittelalter hindurch kein Pogrom erleiden musste.
Erst mit der Verarmung der Stadt im 15. Jh. änderte sich die Atmosphäre. Die jüdische Gemeinde, deren Steueraufkommen nicht mehr lukrativ genug war für die Stadt, wurde nun zunehmend als Konkurrenz empfunden und 1519 entgegen kaiserlichem Verbot aus der Stadt vertrieben.

Die Erzählung „A tog in Regensburg“ entführt den Leser in das mittelalterliche Regensburg, ins Jahr 1519, in die ehrfürchtige Gläubigkeit jüdischer Gelehrter und in die lebensfrohe Welt jüdischer Spielleute, Sänger und Spaßmacher. In der Ausstellung treten historische Realien mittelalterlichen jüdischen Lebens in Regensburg neben Bild-, Film- und Textzeugnisse der nationalsozialistischen Zeit. Eine wichtige Rolle spielt die unmittelbare Nachkriegszeit, als zahlreiche jüdische Vertriebene und KZ-Überlebende in Regensburg die jiddische Sprache wieder lebendig werden ließen. Heute ist die jüdische Gemeinde Regensburg ein selbstverständlicher und hoch geschätzter Bestandteil des Regensburger Kultur-, Religions- und Geisteslebens.

Ende der 90er Jahre fand auf dem Neupfarrplatz die mit ca. 3000 m² Untersuchungsfläche bisher ausgedehnteste Stadtkerngrabung in Regensburg statt. Dabei wurden große Teile der mittelalterlichen Kelleranlagen des Judenviertels freigelegt. Als aufsehenserregendste Entdeckungen dürften die gotische Synagoge und ihr romanischer Vorgängerbau gelten, die Albrecht Altdorfer in zwei Radierungen festgehalten hat.

Am 13. Juli 2005 wurde über dem freigelegten Grundriss der Synagoge ein Kunstwerk von Dani Karavan im Beisein des Künstlers unter großer Anteilnahme der Bevölkerung seiner Bestimmung übergeben. Der zentrale Gedanke des Kunstwerks, das kein Denkmal im klassischen Sinn und auch kein Mahnmal sein sollte, sondern ein Ort zum Verweilen, ein Ort der Begegnung ist heute voll und ganz erreicht, wenn man sieht, wie sehr dieser Ort von den Regensburgern angenommen wird.

Mein Dank gilt den Veranstaltern der Ausstellung, dem Kulturreferat der Stadt Regensburg, den Mitarbeitern der Museen der Stadt Regensburg und dem Institut für Slavistik der Universität Regensburg wie auch besonders der jüdischen Gemeinde für ihre große Unterstützung bei der Vorbereitung der Ausstellung.

Ich möchte schließen mit einem Zitat Dani Karavans, der sagte: „Ich arbeite für Menschen, ich will sie einladen, mit ihrer Umgebung, mit den Menschen, mit ihrer Erinnerung und mit sich selbst in Dialog zu treten“.

Ich wünsche der Ausstellung viel Erfolg und den Besuchern interessante Eindrücke!