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Von-Müller-Gymnasium - Richtfest Neubau

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Neubaus des Ganztagsgymnasiums Von-Müller-Gymnasium am Montag, 30. Juni 2008, um 11 Uhr


Anrede,

Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt Tage an denen es mir eine besondere Freude bereitet, Sie alle recht herzlich zu begrüßen. Wir feiern heute gemeinsam das Richtfest für den Neubau des Ganztagesgymnasiums Von-Müller-Gymnasium und beenden somit eine ereignisreiche Vorgeschichte.

Erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick auf die Entwicklungszeit dieses Projektes.

Bereits im Sommer 2003 beschäftigte sich das damalige Hochbauamt mit der Sanierung des alten Von-Müller-Gymnasiums. Der Altbau aus dem Jahre 1968 hatte sich in seiner Grundstruktur dramatisch verschlechtert. Zur Vermeidung von Unfällen mussten z.B. einzelne Großflächenfenster verschraubt werden. Die schwierige Einhaltung der Brandschutzbestimmungen wurde zum drängenden Problem. Das Gymnasium war bereits von 700 auf 1000 Schüler angewachsen und der 2. Fluchtweg äußerst problematisch. Im Brandfall hätten mehr als 300 Schüler über Leitern der Berufsfeuerwehr in Sicherheit gebracht werden müssen, was zur Freude der Schüler mit entsprechenden Übungen auch ab und zu erprobt wurde. Der enorme Energieverbrauch des Hauses zwang zum Handeln.

Am 10.März 2004 hat deshalb der Schulausschuss in seiner Sitzung die
Sanierung des Altbaus sowie die Durchführung von Energieeinsparmaßnahmen beschlossen.

Das Raumprogramm basierte noch auf der alten G 9 Regelung. Das Hochbauamt erstellte eine Vorplanung und ermittelte die Kosten.

Zwischenzeitlich verstärkte sich aber auch die Diskussion um die Einführung von G 8 und die Stadt wurde mit einer völlig neuen Konzeption konfrontiert.

Bereits am 07.Juli 2004 erfolgte der Schulausschussbeschluss für die Schaffung von zusätzlichen Räumen, bedingt durch die Einführung des G8.

Die Verwaltung wurde beauftragt für das VMG die Ganztagesform beim Staatsministerium für Unterricht und Kultus zu beantragen. Das Amt für Schulen und das Hochbauamt musste sich auf eine völlig veränderte Situation einstellen. Ein neues Raumprogramm für die Sanierung und Strukturoptimierung in G 8 Form mit Mittagsbetreuung war von nun an Maßgabe für die Planung. Der erhebliche Flächenzuwachs stellte die Planer vor schwierige Aufgaben.

Die Freiflächen vor dem alten Schulgebäude erreichten gerade die Mindestanforderungen an einen Pausenhof. Man konnte es drehen und wenden, die zusätzlichen Räume waren auf dem Areal nicht vernünftig unterzubringen.

Die Idee für einen Neubau an der Bischof Buchberger Allee war somit geboren. Unterstützt von einem Förderprogramm des Bundes mit dem Zauberwort IZBB (Initiative Zukunft, Bildung und Betreuung), das 90% der Herstellungskosten fördern sollte, entwickelten die Projektbeteiligten eine geradezu euphorische Aktivität für eine, bis dahin einmalige und vom Kultusministerium bereits in Aussicht gestellte, Ganztagesschule als Bayernmodell.

Die neue Schule sollte erfolgreiche und erprobte Bildungswerte aufgreifen und eine Antwort sein auf viele gesellschaftliche Herausforderungen. Das äußerst großzügige Raumprogramm war abgestimmt für innovative Rhythmisierungskonzepte im Unterrichtsverlauf, in der eine optimale Abwechslung zwischen Anspannung und Entspannung stattfinden konnte. Zugleich sollte die Schule Lebensraum für alle Schüler sein.

Am 12. Oktober 2004 empfahl der Stadtrat den Neubau des VMG als Ganztagesgymnasium und beauftragte die Verwaltung mit der Erstellung aller notwendigen Unterlagen auf Dreizügigkeit.

Die Planungen des Hochbauamtes wurden aber bereits im Dezember 2004 mit der Botschaft des Kultusministeriums, das VMG nicht als Bayernmodell anzuerkennen, durchkreuzt. Die Baumaßnahme sollte auch nicht mit IZBB-Mittel gefördert werden, sondern allenfalls nach dem Konnexitätsprinzip zur Einführung von G 8. Wieder einmal änderte sich das Raumprogramm erheblich. Wie heißt es so doch. Ein Unglück kommt selten allein.

Zwischenzeitlich durchgeführte statische Bestandsuntersuchungen im Altbau, deckten schwerwiegende Brandschutzmängel auf, sodass im März 2005 der Beschluss für die Stilllegung des Altbaus und für die Auslagerung von bis zu 16 Klassen in die ehemalige Bundeswehrfachschule herbeigeführt werden musste. Seit dieser Zeit findet der Unterricht zweihäusig am VMG und in der Landshuter Straße statt.

Erst die Einigung über die Kostenbeteilung mit dem Landkreis und diverse Besuche der Stadt beim Kultusministerium in München führte am 13. Juli 2005 im Schulausschuss zur Entscheidung an der Ganztagesform festzuhalten und darüber hinaus die Schule vierzügig zu planen. Das Bayernmodell wurde von nun an Regensburger Modell, mit abgespecktem Raumprogramm, aber mit den gleichen Erziehungs- und Bildungsinhalten.

In der Sitzung des Gestaltungsbeirates am 01.12. 2005 wurde die Planung zwar als „positiv“ bewertet, aber der Standort für das neue Gymnasium sollte an die Klenzestraße wechseln. Ein neues Handycap, wenn man bedenkt, dass die Entwurfsplanung bereits abgeschlossen war und der Zuschnitt der zur Verfügung stehenden Fläche eine grundlegend veränderte Planung gefordert hätte.

Das inzwischen neu organisierte Amt für Hochbau- und Gebäudeservice untersuchte auch diese Möglichkeit. Erhöhte Schallemmisionswerte des nahen Autobahnzubringers veranlasste den Gestaltungsbeirat in der Sitzung am 09.02.06 die Forderung nach den Standortwechsel wieder aufzugeben. Diese Festlegung beendete alle weiteren Diskussionen und der Durchbruch war geschafft.

Nachdem bereits am 20. Januar 2006 die Förderanträge bei der Regierung der Oberpfalz eingereicht wurden, konnte am 28. März 2006 der Bau- und Vergabeausschussbeschluss die Errichtung eines vierzügigen Ganztagesgymnasiums beschließen. Im Januar 2007 erfolgte dann die endgültige Mittelfreigabe nach Förderzusage durch die Regierung der Oberpfalz.

Dass die Entwicklung der letzten Jahre so wechselhaft verlief, hat vor allem mit der anhaltenden Diskussion um die Einführung von G 8 im Allgemeinen und der damaligen Lage der Kommunalfinanzen im Besonderen zu tun.

Deshalb freut es mich umso mehr, Ihnen heute mitteilen zu können, dass es dem Amt für Hochbau- und Gebäudeservice, dem Gartenamt, dem Amt für Schulen und den Verantwortlichen des VMG`s gelungen ist, ein Konzept für ein Ganztagesgymnasium zu erarbeiten, das den zukünftigen Erfordernissen für einen innovativen Schulbetrieb in überzeugender Weise gerecht wird.

Mein Vertrauensvorschuss, die Vorbereitung, Planung und Durchführung bei den städt. Ämtern und dem Von-Müller-Gymnasium zu belassen, wurde nicht enttäuscht. Die Vielzahl der Behördenkontakte, der Planungen bzw. Umplanungen, bis hin zu den Irritationen beim Standort, hätten auch zu schwierigen und konfliktbeladenen Verhandlungen führen können.

Der gewählte Standort des neuen Ganztagesgymnasiums wird geprägt von einem hohen Baumbestand und viel Natur des benachbarten Karl-Freitag Parks. Der lineare Baukörper mit einer Länge von 160m und vier Geschossen wurde unter Erhalt der Bäume auf dem Standort der Freisportanlage platziert.
Bei dem Neubau kommen hauptsächlich die Materialien Beton, Stahl und Glas zur Anwendung. Großflächig verglaste Fassadenflächen und Vollwärmeschutz außen, lasierte Sichtbetonwände, Fußböden aus Naturstein bzw. Parkett, runden den offenen, freundlichen Gesamteindruck ab.

Neben der deutlichen Unterschreitung der ENEV (Energieeinsparverordnung) im baulichen Wärmeschutz wird die Schule mit einer großflächigen Photovoltaikanlage ihren Beitrag zur Energieeinsparung liefern. Mit Gebäudeleittechnik, Blockheizkraftwerk, Nachtauskühlung im Sommer und modernster Lichttechnik wird das Gebäude auch technisch hochwertig ausgestattet.

Betritt man das Gebäude durch den Haupteingang und überquert die helle, großzügige Aula mit Galerie, so erreicht man den Speiseraum mit den dazugehörigen Nebenräumen. Fällt der Blick nach links, stößt man auf zwei Neuerungen in der Schulhausplanung. Im aufgeweiteten Pausen-Flur sollen sich die Schüler zusätzlich zur Pausenhalle verteilen können. Nachdem der gesamte Erdgeschossbereich als Glasfassade ausgebildet ist, wird ein freier Sichtkontakt in den naturbelassenen Park ermöglicht. Es schließen sich vier vorgelagerte Musikpavillons an, ebenfalls mit Blick in die Natur und aus Schallschutzgründen als Haus- in Hauskonstruktion ausgebildet.

Für den Entwurf war wichtig, die Klassen- und Oberstufenräume im 1. – 3 OG ebenfalls nach Süden, in Richtung Grünanlage zu orientieren. Die Fachräume und Nebenraumzone aus Lärmschutzgründen dagegen nach Norden zur Erzbischof Buchberger Alle. Ein Aufzug gewährleistet selbstverständlich auch die barrierefreie Erschließung des Hauses.

Kosten: Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 21,4 Mio. Euro. Auf die Baukonstruktion entfallen ca.18 Mio. Euro.

Die Fertigstellung der Maßnahme ist bis Dezember 2009 geplant.

Gebäudedaten:
Bruttogeschossfläche: 10 500 m²
Hauptnutzfläche: 6 000 m²
Bruttorauminhalt: 42 750 m³

Das Richtfest ist in erster Linie ein Fest der Bauschaffenden und so möchte ich die Gelegenheit auch dazu nutzen, mich bei allen am Projekt Beteiligten persönlich für die hervorragende Arbeit zu bedanken.

Ich danke ganz besonders dem Amt für Hochbau- und Gebäudeservice für die gesamten Architekten- und Fachingenieurleistungen, dem Amt für Schulen und dem Gartenamt.

Ich danke dem Ingenieurbüro Graf Regensburg und der Landesgewerbeanstalt für die Tragwerksplanung bzw. Prüfung, dem Büro KBM-Philipp, Schwarzenbach für die Fassaden- und dem Büro Anton Hieger, Regensburg, für die Heizungsplanung. Das Ingenieurbüro Dr. Schulze und Lang, Spardorf ist verantwortlich für die Erd- und Grundbauuntersuchung und das Ingenieurbüro Sylvia Schmidt, Regenstauf für die Innenmöblierung.

Für die Zustimmung zur Planung und der Bereitstellung der Mittel danke ich den Stadträten der zuständigen Gremien. Sie standen dem Bauvorhaben immer offen gegenüber.

Besonderer Dank gilt der Regierung der Oberpfalz für die unkomplizierte Erteilung der Erlaubnis zum vorzeitigen Baubeginn und dem Landkreis Regensburg für die Kostenbeteiligung.

Mein Dank gilt den Firmen und Handwerkern, die mit ihrer Arbeit erheblich dazu beitragen, dass der Rohbau in kurzer Zeit und termingerecht fertiggestellt wird.

Von den ausführenden Firmen hat die Firma Mickan, Amberg, die gesamten Baumeisterarbeiten übernommen. Die Firma Neumayr Stahl- u. Metallbau aus Eggenfelden ist für die Fassadenbauarbeiten verantwortlich und die Firmen Liebl- Bedachungen aus Regenstauf, Zimmerei Pfliegl, Rattenberg, sind die Ausführenden für die Dachdecker- und Zimmererarbeiten.

Die Vergabe der Trockenbauarbeiten erging an die Firma Gruber, Rötz. Die Ausführung der haus- und betriebtechnischen Gewerke liegen bei den Firmen Peter u. Götz, Hainsacker und Elektro Weigl, Regensburg.

An dem guten Gelingen des Projektes tragen auch eine Vielzahl von städtischen Ämtern und Dienststellen bei. An der Stelle möchte ich mich auch bei der Schulleitung, den Lehrern, Schülern und dem Hausmeister des Von-Müller-Gymnasiums dafür bedanken, dass sie während der Auslagerung in die ehem. Bundeswehrfachschule bzw. während der Bauzeit Verständnis aufbringen für die täglichen Erschwernisse und zusätzlichen Belastungen.
Ihnen allen, mein ganz besonderer Dank.

Ich wünsche den Bauschaffenden weiterhin gutes Gelingen, eine unfallfreie Bauzeit und allen Beteiligten einen reibungslosen Bauablauf.
Vielen Dank