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Trauerrede für Otto Schwerdt

-Es gilt das gesprochene Wort-

Trauerrede von Herrn Bürgermeister Gerhard Weber für Herrn Otto Schwerdt, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde, bei der Beerdigung am Mittwoch, 2. Januar 2008, auf dem Jüdischen Friedhof

Sehr verehrte Frau Schwerdt, verehrte Angehörige und Freunde,
werte Trauergemeinde,

die Stadt Regensburg und wir alle müssen heute Abschied nehmen von Herrn Otto Schwerdt, der nach einem Unfall am vergangenen Sonntag verstorben ist. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gelten heute vor allem seiner Ehefrau Gela, seinen Kindern und Enkeln und allen Angehörigen.

Otto Schwerdt wurde plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen. Sein unvermittelter Tod macht unsere Betroffenheit und unsere Trauer um so größer, wir stehen fassungslos an seinem offenen Grab.

Mit Herrn Schwerdt verliert unsere Stadt eine Persönlichkeit, die wir schmerzlich vermissen werden, die uns fehlen wird.

Otto Schwerdt musste in seinem Leben unvorstellbare Grausamkeiten erleiden, die Flucht seiner Familie vor den Nationalsozialisten nach Polen gab nur kurze Zeit Sicherheit. Es folgte die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, nur sein Vater Max und er überlebten den Holocaust.

Was Otto Schwerdt in jungen Jahren erleben musste, ist kaum vorstellbar. Wer hätte es ihm verdenken können, wenn ihn dieses schreckliche Schicksal zu einem verbitterten, feindseligen, vielleicht auch rachsüchtigen Menschen gemacht hätte. Aber dies ließ er nicht zu.

Trotz der schrecklichen, unvorstellbaren Leidenszeit, die er durchleben musste, war Otto Schwerdt ein Freund der Menschen. Er ging stets offen und warmherzig auf die Menschen zu, er hatte stets für jeden ein freundliches Wort. Sein schlimmes Schicksal trug er nach außen hin niemals zur Schau.

Erst vor gut einem Jahrzehnt fand er die Kraft, den entsetzlichsten Abschnitt seines Lebens öffentlich zu machen. In dem Buch „ Als Gott und die Welt schliefen“ spricht er über das unermessliche Leiden seiner Familie und die Grausamkeit der Täter.

Seither hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an diese dunkle Zeit unserer Geschichte wach zu halten. Trotz der großen psychischen Belastungen, die er jedes Mal empfand, hat er weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus in zahlreichen Lesungen Schüler, Jugendliche und Erwachsene über die Geschehnisse informiert und zum Widerstand gegen Gewalt und Terror aufgerufen.

Dies ist nun nicht mehr möglich, sein Buch aber wird die Erinnerung an ihn lebendig halten.

Otto Schwerdt war ein Mann der leisen Töne, er war bescheiden und er wollte nie, dass viel Aufhebens um seine Person gemacht wird. Dennoch war er es, der aufgrund seiner offenen Haltung und seines Talentes, Menschen zu integrieren, dazu beigetragen hat, dass in unserer Stadt keine Berührungsängste zwischen Juden und Nichtjuden bestehen, dass die Türen der Jüdischen Gemeinde für alle Interessierten geöffnet sind.

Beharrlich hat er sich über Jahrzehnte hinweg für die Völkerverständigung und Versöhnung, für Toleranz und gegenseitigen Respekt eingesetzt. Dafür sind wir ihm dankbar. 2003 hat die Stadt Regensburg seine Verdienste mit der Verleihung der Silbernen Bürgermedaille gewürdigt.

Es war mir eine große Freude und Ehre, ihm diese Auszeichnung persönlich überreichen zu dürfen. Genauso, wie ich mich stets darüber freute, ihn bei Veranstaltungen zu treffen und mich mit ihm auszutauschen. Otto Schwerdt war ein Gesprächspartner, den ich von Herzen schätzte und den ich vermissen werde.

Ich stehe daher heute voller Trauer an seinem Grab. Eines seiner Bücher, das er einmal verschenkte, enthält eine persönliche Widmung: „die Erinnerung ist eine Pflicht gegenüber den Toten“ hat er hineingeschrieben. Lieber Otto Schwerdt, ich versichere Dir, wir werden die Erinnerung an Dich stets in unseren Herzen bewahren.