Navigation und Service

Gedenken der Opfer der Reichsprogromnacht 1938

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich der Gedenkveranstaltung „7 Flammen gegen das Vergessen – Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht 1938“ am Sonntag, 9. November 2008, Neupfarrkirche, 17.00 Uhr


Anrede

Heute vor genau 70 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938,
in der Reichspogromnacht,

  • brannten in ganz Deutschland die jüdischen Synagogen,
  • wurden die Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert,
  • die Wohnungen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger demoliert,
  • deren Bewohner gedemütigt, misshandelt, ermordet.

Die Reichspogromnacht, eine grausame historische Tragödie, die sich nicht nur irgendwo in Deutschland ereignete, sondern auch hier bei uns in Regensburg:

  • Die Synagoge am Brixener Hof wurde niedergebrannt.
  • Regensburgerinnen und Regensburger jüdischen Glaubens wurden auf den Polizeirevieren am Jakobstor und am Minoritenweg gefangen gehalten.
  • In einem „Schandmarsch“ wurden sie durch die Regensburger Maximilianstraße getrieben und von einigen Bürgern bespuckt, geschlagen und mit Steinen beworfen.
  • Am 10. November 1938 wurden die ersten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Regensburgs ins Konzentrationslager Dachau abtransportiert.
  • Die Ruine der niedergebrannten Synagoge musste auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgetragen werden.
  • In der Folgezeit wurden die letzten jüdischen Geschäfte und Häuser enteignet, und auch Regensburger Bürger schlugen daraus Profit.

Die Menschen, die diese barbarischen Ereignisse miterlebten, direkt vom Terror betroffen waren oder indirekt Augenzeugen dieser Gräuel wurden, sind heute hoch betagt, viele von ihnen sind nicht mehr am Leben.

Immer wieder werden heute Stimmen laut, die fordern, diese Gräueltaten doch in den Geschichtsbüchern und Archiven zu belassen und dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte endlich einmal abzuschließen.

Warum entzünden nun heute am 9. November 2008 junge Regensburgerinnen und Regensburger, katholischen wie evangelischen Glaubens gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde diese„7 Flammen gegen das Vergessen“ und gedenken der Opfer der Reichspogromnacht 1938?

Warum stellen sie sich sozusagen unter das Zeichen des siebenarmigen Leuchters und gedenken an verschiedenen Orten der bewegten tausendjährigen Geschichte der jüdischen Gemeinde Regensburgs der Opfer des NS-Terrors?

Warum tun diese jungen Regensburgerinnen und Regensburger das?
Weil sie eines der fundamentalsten Gesetzte menschlicher Geschichte verstanden und verinnerlicht haben:

Wer nicht vergisst, wer sich erinnert,
schafft erst die Grundlage dafür,
Verantwortung zu übernehmen.
Sie alle, Sie jungen Regensburger, können nicht die Verantwortung übernehmen für das was in der Vergangenheit geschehen ist, aber für das,
was in Zukunft geschehen wird.

Wenn Sie heute hier„7 Flammen gegen das Vergessen“ entzünden, dann haben diese Flammen nicht nur einen mahnenden Charakter sondern sind auch ein Zeichen der Hoffnung.

So wissen wir unsere Geschichte, mit allen tragischen und bedrückenden Epochen, in verantwortungsbewussten Händen. Die Jugend Regensburgs ist sich der Pflicht bewusst, die Erinnerung wach zu halten, denn zu vergessen hieße schuldig zu werden.

Für diesen Dienst des Erinnerns und nicht Vergessens danke ich Euch,
der Jugend Regensburgs, von ganzem Herzen:

Ich danke Euch im Namen der Opfer der Reichspogromnacht hier in Regensburg und in ganz Deutschland, deren Schicksal nicht vergessen werden darf.

Ich danke Euch im Namen aller Bürgerinnen und Bürger Regensburgs dafür, dass Ihr alle mit Eurem Einsatz einen würdigen Rahmen für dieses Gedenken geschaffen habt.

Ich danke aber auch den Zeitzeugen in Eurem Namen, dass sie ihre tragischen und schmerzlichen Erinnerungen an Euch weitergeben, auch wenn sie dabei diese schmerzlichen Erinnerungen immer wieder durchleiden.
Denn nur so könnt Ihr sie heute entzünden, die„7 Flammen gegen das Vergessen“.