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Regensburg - eine europäische Metropole im Mittelalter

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Regensburg - eine europäische Metropole im Mittelalter“ am Freitag, 4. Mai 2007, um 19.00 Uhr in der Minoritenkirche


Anrede

Ich freue mich, Ihnen im Anschluss an diese Eröffnung eine Ausstellung der ganz besonderen Art präsentieren zu können. Schon die gut gefüllte Minoritenkirche – beinahe wie zu Bruder Bertholds Zeiten – weist darauf hin, dass wir es mit einem Phänomen zu tun haben. Dies mag an dem Thema, an den Autoren oder vielleicht auch an der Stadt selbst liegen.

Viele neigen dazu, Regensburg als die schönste Stadt der Welt zu bezeichnen, womit sie sicher nicht ganz Unrecht haben. Kritisch wird es nur da, wo man nicht mehr bereit ist, über den Rand der Regensburger Suppenschüssel hinaus zu schauen und zu glauben, Regensburg hätte sich quasi aus sich selbst in diesen faszinierenden Zustand erschaffen, ohne die vielfältigen Verflechtungen und Entwicklungen zu erkennen.

Am Anfang steht immer eine Idee, und diese Idee hatte Peter Brielmaier, Redakteur bei der Mittelbayerischen Zeitung. Von jeher war er der Kunst und der Kultur sehr zugetan, war aber auch ihr kritischer Begleiter, der alle Phänomene hinterfragte. So lebte er Kunst, er war Mitglied des Raselius-Chores der Regensburger Kantorei, der den heutigen Abend musikalisch umrahmt, und er erlebte Kultur, der er mit seiner kreativen Neugierde ständig auf der Spur war. So sah er Verwandtes zu Regensburg in anderen europäischen Städten, so stellten sich für ihn Entwicklungslinien dar, denen er folgte. Wer ihn erleben durfte, wie er von einem neuen Fund erzählte, wird die lebendige Art und die leuchtenden Augen von Peter Brielmaier nie vergessen.

In Uwe Moosburger, ebenfalls bei der MZ und jetzt Eigentümer der Foto-agentur „altrofoto“, fand er einen kongenialen Partner, der bereit war, die vielen und langen Reisen auf sich zu nehmen. Sie werden es in der Ausstellung sehen, welche unglaubliche Akribie und Mühe in dieser Ausstellung steckt. So versuchte Uwe Moosburger stets die zu vergleichenden Objekte aus dem gleichen Blickwinkel, wie sie bereits in Regensburg fotografiert waren, aufzunehmen. Dabei galt es nicht nur dieselbe Perspektive zu finden, sondern auch den Lichteinfall zu berücksichtigen.

Schon bald kristallisierte sich als Ergebnis ein Buchprojekt beim Verlag Friedrich Pustet, einem der renommiertesten Verlage nicht nur in Regensburg, heraus. Bald schon entwickelte sich eine zweite Idee, nämlich die einer Ausstellung im Historischen Museum.
Als Herr Brielmaier und Herr Moosburger mir diese Idee vortrugen, war ich, wie Sie sich sicher vorstellen können, mehr als angetan und sagte meine Unterstützung im vollen Umfange zu.

Während der Bewerbung für die „Kulturhauptstadt 2010“ konnte ein Teil dieser Ausstellung, so zu sagen als Preview, in der Vertretung des Freistaates Bayern in Berlin gezeigt werden. Das Interesse und die Resonanz waren überaus groß, konnte man doch Regensburg im besten Lichte innerhalb seiner Verflechtungen im europäischen Raum sehen.

Bei Ihrem anschließenden Rundgang werden Sie oft verblüfft sein, Sie meinen, ein Bekanntes zu sehen, um dann feststellen zu müssen, dass dieses Bekannte sich in Spanien, Italien, England oder Frankreich befindet. Diese Reisen, die im Herbst 2004 unternommen wurden, führten zu 13 Orten, im August 2005 wurden weitere 15 Orte in Deutschland, England, Irland und Frankreich bereist, um das Kulturgut fotografisch festzuhalten. Diese Suche nach den kulturellen Wurzeln Regensburgs in Europa stellte der plötzliche Tod Peter Brielmaiers im November 2005 zunächst in Frage. Mit der Unterstützung der Stadt Regensburg machte sich Uwe Moosburger im Mai 2006 dennoch auf den Weg nach Frankreich, Ungarn, Polen, Tschechien und Orte in Deutschland, um das Projekt gemäß dem Konzept seines Freundes zu vollenden.

Nun, nach den letzten Aufnahmen im spanischen Mérida und in Rom sind letztlich 34 Orte auf einer Gesamt-strecke von 27.600 km bereist worden. In dieser Ausstellung werden Sie die kleine Schwester unserer „Steinernen Brücke“ in Cahors finden, ebenso das Runtingerhaus im Verlgeich mit dem Fondaco de i Tedeschi in Venedig, der Deutschen Handelsniederlassung, die Pratriziertürme von Regensburg im Vergleich mit den Geschlechter-türmen in San Gimignano, die Ringkrypta von St. Emmeram mit denen im Petersdom in Rom sowie in Saint Denis bei Paris. Die Reihe dieser Vergleiche ließe sich noch fortsetzen, jedoch will ich Ihnen Ihre Entdeckerlust nicht vorab nehmen.

Bei so einem großen Projekt ist vielen zu danken, zunächst dem leider verstorbenen Peter Brielmaier, der mit seinem Buch und dieser Ausstellung der Stadt Regensburg, der er sich stets eng verbunden fühlte, ein großes nachhaltiges Geschenk gemacht hat. An Uwe Moosburger, der kongenial die Ideen von Peter Brielmaier umsetzte und auch nach dessen Tod dazu beitrug, dass dieses Projekt vollendet werden konnte, ergeht ein außerordentliches Dankeschön. Herrn Verleger Friedrich Pustet gratuliere ich zu dem wunderschönen Buch, das hierbei heraus gekommen ist, das – ich glaube dies sagen zu können -, ohne großes verlegerisches Risiko, viele Käufer und Leser finden wird. Herrn Dr. Peter Morsbach, der das Projekt im Sinne von Peter Brielmaier fortsetzte sowie den zahlreichen Autoren, die sich in diesem Buch versammelt haben sei herzlich gedankt. Ein letzter Dank geht an Herrn Kulturreferenten Klemens Unger und an Herrn Museumsdirektor Dr. Martin Angerer, die dieses Projekt von Anfang an engagiert begleitet haben und zu dem heute nun zu bestaunenden Ergebnis geführt haben. Ich danke sehr herzlich Herrn Christian Kroll, der im Angedenken an Peter Brielmaier die heutige Eröffnung dieser für Regensburg äußerst wichtigen Ausstellung musikalisch begleitet.

Ihnen allen wünsche ich einen angenehmen interessanten Abend, bei dem Sie sicher eines feststellen werden: Regensburg und Europa sind auf das Engste miteinander verflochten; was in den zurück-liegenden Jahrhunderten politisch nicht möglich war, zeigt sich jedoch in der Kultur, die grenzenlos war und stets ist und somit ein wichtiger Meilenstein für Regensburg als „Welterbe“ bildet.