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Inbetriebnahme Integrierte Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr

 -Es gilt das gesprochene Wort-


Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Regensburg am 14. März 2007

 

Anrede,

es bedurfte einiger Eselsbrücken und der unvergleichlichen Grammatik einer Verona Feldbusch, damit sich das Publikum die Nummer der Telefonauskunft einprägen konnte. Wenn es um Leben und Tod geht – und davon müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren und anderen Rettungsorganisationen ausgehen! -, dann ist es entscheidend, wie rasch die Hilfe alarmiert wird. Die Bürgerinnen und Bürger in Regensburg und der Region brauchen nur eins und eins zusammen zu zählen. Eins und eins ist zwei, 112 heißt die Rufnummer der Rettungskräfte im Notfall. Hier werden Sie geholfen!

Spaß beiseite, meine Damen und Herren. Ich freue mich in Gegenwart des für die Sicherheit in Bayern zuständigen Ministers Dr. Beckstein sagen zu dürfen, dass wir hier in Regensburg heute in punkto Sicherheit einen Quantensprung vollführen, wenn wir die Integrierte Leitstelle in Betrieb nehmen. In einem Satz: Die Integrierte Leitstelle ist die Einsatzzentrale der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr. Jeder, der Hilfe braucht, kann sich rund um die Uhr an die 112 wenden. Die damit einher gehende Alarmierung aus einer Hand erhöht die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dies gilt nicht nur für die Regensburger, sondern auch für die Bewohner der Landkreise Regensburg, Cham und Neumarkt. Auch sie können über die europaweit gültige Notrufnummer Hilfe in kürzester Zeit anfordern.

Herr Minister, meine Damen und Herren! Regensburg ist kein gefährliches Pflaster, auch wenn die jüngste Polizeistatistik unsere Stadt insoweit im oberen Bereich Bayerns ansiedelt. Die Statistik gibt nicht das subjektive Empfinden wieder. Und wenn mich nicht alles täuscht, fühlen sich unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht weniger sicher als die Bewohner in anderen Regionen Bayerns. Ich glaube, ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass der gefühlten Sicherheit große Bedeutung zukommt. Sicher kann man sich fühlen, wenn man weiß, dass im Fall des Falles schnelle Hilfe von kompetenter Seite und zu jeder Zeit zur Stelle ist. So gesehen, freuen wir uns am heutigen Tage, unserer Bevölkerung mit einer neuen Dienstleistung zur Seite zu stehen. Auch in Momenten großer nervlicher oder auch körperlicher Belastung ist jedermann die 112 präsent.

Lassen Sie mich kurz schildern, was man in der Integrierten Leitstelle unter der systematischen Abarbeitung einer Schadenslage versteht. Die Entscheidung über die Dringlichkeit und die Art eines Einsatzes treffen unsere Mitarbeiter aufgrund der EDV-gestützten Erfassung der Priorität. Das hört sich gestelzt an, meint aber nichts anderes, als dass der Wasserrohrbruch gegebenenfalls warten muss, wenn zeitgleich ein Wohnhaus in Flammen steht. Zu entscheiden ist, mit welchem Rettungsmittel die Gefahr am schnellsten zu bannen ist. Dafür hat der Gesetzgeber unseren Mitarbeitern eine Hilfsfrist von maximal zehn Minuten gesetzt.

Sind die Einsatzkräfte alarmiert und die Einsatzbefehle erteilt, begleitet, koordiniert und unterstützt die Integrierte Leitstelle die vor Ort eingesetzten Kräfte. Oftmals geht es um wertvolle Minuten und ich gebe gerne eine Bitte unserer Berufsfeuerwehr weiter, wenn ich unserer Bevölkerung empfehle, auch im Augenblick großer Konfusion kühlen Kopf zu bewahren. Die Rettungsmannschaften sind nur so gut wie es die Informationen über das Geschehene zulassen. Die Disponenten in der Leitstelle sind geschulte Fachkräfte, die sofort wissen, worauf es ankommt, wenn sie denn wissen, was, wann wo vorgefallen ist, wie viele Personen eventuell gefährdet sind, welcher Art etwaige Verletzungen sind.

Wir als Stadt Regensburg haben bereits zu Beginn des vorletzten Jahres die Rettungsleitstelle des Roten Kreuz übernommen und sind heute stolz darauf, die erste Integrierte Leitstelle nach den neuen Richtlinien des Innenministeriums in Bayern eröffnen zu können. Die Rotkreuzler von einst wurden von uns, der Stadt Regensburg, übernommen und versehen hier ihren Dienst. Das Team wird komplett durch das Personal der Berufsfeuerwehr, so dass Rettungsdienst und Löschwesen unter der 112 zusammen gefasst sind. Mit dem Bau der Leitstelle haben wir 2001 begonnen, planmäßige Fertigstellung war im Herbst 2004. Eigentlich hätte der Betrieb zu Beginn des Jahres 2005 aufgenommen werden können. Ich erspare Ihnen und mir Details, sage aber nur so viel: Wegen eines unbegründeten Nachprüfungsverfahrens gegen die vom Innenministerium vorgenommene Ausschreibung der Leitstellentechnik hat sich deren Inbetriebnahme verzögert. Ich bedauere dies und versichere Ihnen: An uns lag es nicht, an Ihrem Ministerium, sehr geehrter Herr Dr. Beckstein, auch nicht!

Meine Damen und Herren, ich möchte Ihre Aufmerksamkeit nicht mit Zahlen überstrapazieren, aber wer weiß schon, dass diese Leitstelle für eine Fläche von 4300 Kilometern im Quadrat örtlich zuständig ist?! Pendler und Gäste mit eingerechnet, halten sich in diesem Bereich täglich mehr als eine halbe Million Menschen auf. Diese Zahl in Relation gesetzt zu den rund 93 000 Einsätzen pro Jahr, ergibt, dass fast jeder fünfte einmal im Jahr in Kontakt zu unseren Rettungs- und Hilfsorganisationen tritt. Über Arbeitsmangel wird man sich hier wohl weiterhin nicht beklagen müssen! Bei den Einsätzen greifen wir auf 531 Freiwillige Feuerwehren, auf das BRK, den Malteser Hilfsdienst, die Johanniter Unfallhilfe, die Regensburger Krankentransporte, die Wasserwacht, die DLRG, die Bergwacht und das THW zurück. Die Leitstelle weiß, wer an welchem Ort mit der entsprechenden Ausrüstung zuerst den Erfolg gewährleistet.

3,3 Millionen Euro teuer war die Leitstelle, mehr als die Hälfte dieser Summe wurde in die technische Einrichtung investiert. Eine zukunftsweisende Investition, wie ich meine. Diese Investition ging bei uns in Regensburger einher mit der Erweiterung der Hauptfeuerwache, in die wir als Stadt vier Millionen Euro zusätzlich gesteckt haben. Wir erhielten – und dafür darf ich an dieser Stelle danken! – 893 000 Euro an Zuweisungen des Freistaates Bayern. Die Förderanträge für die Errichtung der Integrierten Leitstelle, sehr geehrter Herr Minister, werden demnächst von der Stadt Regensburg eingereicht. Wir sind weiterhin sehr zuversichtlich und vertrauen auf die kommunalfreundliche Förderpolitik der bayerischen Staatsregierung.

Die Berufsfeuerwehr wird bei uns als Amt für Brand- und Zivilschutz geführt, und als städtisches Amt, das mehr leistet als Hilfe zu leisten, wenn´s brennt im engeren Sinn des Wortes. Da man ja mit Eigenlob eher zurückhaltend agieren sollte, weise ich hier nur einmal darauf hin, dass wir die Aufbauphase der Leitstelle ohne personelle Verstärkung hinbekommen haben. Mein Dank gilt auch deshalb der gesamten Berufsfeuerwehr mit Herrn Brandoberrat Alois Lamml, und dem Chef der Leitstelle, Herrn Oberinspektor Georg Neff, an der Spitze. Meine Herren, ich vermute, dass Sie zahlreiche Probleme in den letzten Jahren gelöst haben, die auf andere Kommunen erst noch zukommen. Wir stehen anderen Städten gerne ratgebend zur Seite. Die 25 anderen, in Bayern noch zu realisierenden Leitstellen sollen auf unsere Erfahrungen zurückgreifen können. Das gilt auch für die Mitarbeiter unseres Hochbauamtes, denen ich für die Planung und Begleitung des Baus ebenso danke wie den Firmen, die an dessen Realisierung beteiligt waren.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Städte und Landkreise nicht immer ein Herz und eine Seele sind, wie Herr Dankerl, stellvertretender Landrat von Cham, mir als Präsidenten des Städtetages gerne wird bestätigen können. Herr Kollege Dankerl, Herr Landrat Löhner, Herr Landrat Mirbeth: Ich glaube, wir haben mit der Gründung des gemeinsamen Zweckverbandes für das Rettungswesen den richtigen Weg eingeschlagen und gezeigt, dass Stadt und Land Hand in Hand arbeiten können. Der Hilferuf, mit dem wir oftmals den Heiligen Florian, den Patron der Feuerwehr, anrufen, sollte nicht die Devise unseres Handelns sein… Sie wissen, was ich meine…

Städte und Landkreise in Bayern sehen sich manchmal – ob zurecht oder nicht – als Konkurrenten. Die Regierungsbezirke untereinander achten naturgemäß auch auf ihre Reputation im Freistaat, Bayern wiederum besteht aus uns als den Altbayern und den Franken. Herr Minister, Sie kommen aus Nürnberg, kennen als Innenminister unser Bundesland also nicht nur aus der übergeordneten Münchner Perspektive und haben dafür gesorgt, dass in Sachen Rettungswesen in Regensburg der Startschuss für die flächendeckende 112  in Bayern gegeben wird. Ich finde, dieses Beispiel sollte Schule auch in anderen Bereichen machen und vertraue insofern weiterhin ganz auf die Eingebungen der bayerischen Staatsregierung mit dem Herrn Ministerpräsidenten an der Spitze. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, der Integrierten Leitstelle reibungslose Abläufe und uns allen, dass wir mit dieser Einrichtung ein Stück mehr an Sicherheit gewinnen. Es ist gut zu wissen, dass jedermann zu jeder Zeit und schnellstmöglich optimale Hilfe zuteil wird.