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Bundesweite Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der bundesweiten Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 09. September 2007, am Haidplatz

Anrede

Seit gut einem Jahr gehört die Regensburger Altstadt nun zum Welterbe der UNESCO, und heute findet hier die bundesweite Eröffnung des Tages des offenen Denkmals statt. Als Oberbürgermeister dieser Stadt erfüllt mich dies mit Freude und Genugtuung. Denn schließlich ist die Entscheidung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für diesen Veranstaltungsort ein Beleg für die hohe Attraktivität Regensburgs. Sie ist aber auch ein Beleg dafür, dass diese Attraktivität nicht nur auf dem aus vergangenen Epochen ererbten Denkmälerbestand beruht, sondern auch auf dem verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Bestand, eben auf dem Denkmalschutz.

Die Stadt Regensburg versteht sich in der Tat als Hort von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Sie ist in diese Rolle hineingewachsen, nachdem 1945 die Regensburger Altstadt plötzlich als einzige mittelalterliche Großstadt Deutschlands nahezu unversehrt dastand. Was da Bomben des Zweiten Weltkriegs im Wesentlichen verschont wurde, war allerdings – auf den ersten Blick zumindest – alles andere als ein Juwel. Unsere Altstadt war in den Nachkriegsjahren soziales, hygienisches und denkmalpflegerisches Notstandsgebiet.

Der Bauzustand vieler Häuser war katastrophal, die meisten Wohnungen waren hoffnungslos überbelegt, und die Kindersterblichkeit war erschreckend hoch. Gerade der Bereich zwischen Haidplatz und Donau erzielte in dieser Hinsicht traurige Rekorde – selbst im deutschlandweiten Vergleich.

Vor diesem Hintergrund wurde 1956/57 die Rettung der Regensburger Altstadt als nationale Aufgabe erkannt. Gutachten und Planungsstrategien wurden erstellt, und 1957 flossen die ersten Zuschüsse, die damals vom Bundeswohnungsbauministerium kamen. So richtig in Schwung gekommen ist die Altstadtsanierung aber erst in den 70er-Jahren. Wichtige Meilensteine dafür waren das 1971 in Kraft getretene Städtebauförderungsgesetz und dann natürlich 1973 das Bayerische Denkmalschutzgesetz. Auf dessen Grundlage wurde die gesamte mittelalterliche Stadtlandschaft beiderseits der Donau 1976 als „Ensemble Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ in die Denkmalliste des Freistaates Bayern eingetragen. Genau 30 Jahre später, 2006, hat sich nun auch die UNESCO für die Schutzwürdigkeit des gesamten Regensburger Altstadt-Ensembles ausgesprochen.

Diese Erfolgsgeschichte ist einem – zumindest im Nachhinein – einfachen Rezept geschuldet: Regensburg hat sein vor 50 Jahren bedrohlich schwaches Herz einer langwierigen Rehabilitation unterzogen. Deren Ziel war es, das kranke Herz wieder zum Leben spendenden Organ einer zukunftsfähigen Großstadt zu machen. Mit den Denkmälern der Altstadt hat sich Regensburg seine Geschichte und seine Identität bewahrt: ohne Vergangenheit keine Zukunft.

Operationen am offenen Herzen aber verlangen hohen Sachverstand – und sie kosten Geld. Für den Sachverstand konnte die Stadt Regensburg selbst sorgen, indem sie eine mit entsprechenden Wissenschaftlern besetzte Abteilung Denkmalpflege eingerichtet hat. Was aber die finanzielle Seite betrifft, werden den Bauherren und Denkmaleigentümern immer größere Opfer abverlangt. Die Belastung steigt in dem Maß, in dem sich der Freistaat Bayern aus unserer Sicht seiner verfassungsmäßigen Verpflichtung nicht intensiv genug nachkommt, sich zusammen mit den Gemeinden und den Körperschaften des öffentlichen Rechts um die Erhaltung der Denkmäler zu kümmern. Waren noch vor wenigen Jahren staatliche Zuschüsse ein probates Mittel, um finanzielle Härten zu entschärfen und dem privaten Bauherrn das Gefühl der Lastenteilung zu vermitteln, muss der Denkmaleigentümer heute in aller Regel auf staatliche Unterstützung verzichten. Dass dies dem Ansehen der Denkmalpflege in der Öffentlichkeit insgesamt schadet, liegt auf der Hand. Die Konsequenz ist der Verlust an Denkmalsubstanz – und das wiederum bedeutet Verlust an Geschichte.
Angesichts all der – gewiss notwendigen – Zukunftsprogramme, die auf Landes- und Bundesebene entwickelt werden, kann ich nur hoffen, dass sich Freistaat und Bund an die alte Erkenntnis erinnern, wonach es keine Zukunft ohne Vergangenheit gibt. Anders gesagt: Denkmalschutz ist kein Luxus, sondern eine staatliche Pflicht.

Gerade vor dem Hintergrund dieser nationalen Problematik ist es umso erfreulicher, dass es in Deutschland noch immer Menschen gibt, die sich – ohne kommerzielle Hintergedanken – der sozialen Verpflichtung zur Erhaltung unserer Denkmäler stellen. Viele davon sind in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisiert, und viele davon sind auch heute persönlich nach Regensburg gekommen. Ihnen gilt mein besonderer Gruß und mein aufrichtiger Dank.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz engagiert sich seit Jahren ebenso diskret wir großzügig in Regensburg. Angesichts der nationalen Ausrichtung der Stiftung ist dies, gerade mit Blick auf die Neuen Länder, keine Selbstverständlichkeit. Aber vielleicht ist dieses Regensburg-Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ja auch Spiegel der nationalen Bedeutung unserer Denkmäler.

Es ist sicher kein Zufall, dass sich die Stiftung für die Eröffnung des diesjährigen Denkmaltages, der im Zeichen historischer Sakralbauten steht, gerade Regensburg ausgesucht hat. Zum einen bietet keine zweite Stadt Deutschlands eine solche Fülle an authentischen Zeugnissen des Glaubens seit dem frühen Mittelalter: Das Spektrum reicht von der frühmittelalterlichen Krypta in St. Emmeram bis zum  Dom St. Peter, der einzigen gotischen Kathedrale Bayerns, über die Hauskapellen der mittelalterlichen Bürgerpaläste bis zu Sakralräumen des 20. Jahrhunderts. Zum anderen hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit längerem ein Auge auf unsere Stadt geworfen, da Regensburg traditionell ein äußerst umfangreiches und attraktives Programm anbietet, das jährlich Tausende von Besuchern anlockt. Das diesjährige Angebot allerdings ist absolut rekordverdächtig: 85 Sakralräume, 7 Rundgänge, 14 Sonderaktionen und 6 Musikveranstaltungen sind gelistet, zusammen 112 Einzelaktivitäten. Nur zum Vergleich seien noch die Zahlen aus einigen bayerischen Städten genannt: Ingolstadt bietet 18, München 46, Nürnberg 22, Würzburg 13 und die Welterbestadt Bamberg 10 Programmpunkte.

Um unser umfangreiches Angebot zustande zu bringen, war die engagierte Mitarbeit kirchlicher und staatlicher Stellen, von privaten Hausbesitzern, Architekten und Bauherren unverzichtbar. Ihnen allen sei an dieser Stelle Dank gesagt.

Um die Qual der Wahl, aus unserem Programm etwas auszuwählen, beneide ich Sie nicht. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Jede Wahl ist richtig, denn jeder unserer Sakralräume, jedes unserer Denkmäler verdient es, dass Sie sich näher darauf einlassen.